Mittwoch, 15. Oktober 2008

Vom Balletttanzen und Visumsschnitzeljagden

Que triste se oye la lluvia en las casas de carton…. Wie traurig hört man den Regen in den Häusern aus Pappe. Das ist der Anfang eines Liedes, das hier oft gesungen wird und genau das geht mir auch gerade durch den Kopf, denn seit heute Mittag regnet es ununterbrochen und so wies aussieht wird es wohl so schnell nicht aufhören. Im Moment steht das Wasser noch nur auf den Straßen und der Weg zum Abendessen vorhin war noch fast ohne nasse Füße zu bewältigen, aber wenns die ganze Nacht so weiterregnet, und danach sieht es aus, dann wird sich wohl auch das Wasser irgendwann heute Nacht seinen Weg in mein Zimmer bahnen. Nun ja, die letzten zwei, drei Wochen des Winters stehen vor der Türe und wenn wir die überstanden haben, dann sinkt auch die Überschwemmungsgefahr und es wird ab Mitte November bis Ende April dann nicht mehr regnen. Im Moment freuen sich Alle auf den Sommeranfang, der durch den ausbleibenden Regen gekennzeichnet ist, aber ich hab mir sagen lassen, dass sich gegen Ende des Sommers, also im April, Mai, alle auf den ersten Regen freuen, der dann auch den Winteranfang bedeutet, Frühling und Herbst gibt es hier praktisch nicht.

Draußen regnets, und auch wenn wir so eine Art überdachte Terrasse haben, macht das Sitzen dort keinen Spaß, weil die Mücken auch vor Jeanshosen und Regenjacken keinen Halt machen und mich auffressen wollen. Also hab ich mich in mein Bett unter mein Mückennetz verkrochen und versuche die nächste Rundmail auf den Weg zu bringen.

Zu allererst mal: Mir gehts gut. So langsam kann ich mich über zu wenig Arbeit nicht mehr beklagen, gestern hätte man sogar fast von Stress sprechen können, wurde ja auch Zeit, denn eigentlich kann ich ja auch gar nicht ohne…

Nein, mal im Ernst. Gestern haben wir unseren ersten Mülltrennungsworkshop mit Kindern einer sechsten Klasse veranstaltet. Ich muss zugeben, ich hatte doch ein bisschen Bammel, wenn man so als Sprachinvalide, und das sind wir nach wie vor, vor 25 Kindern steht und denen was beibringen möchte, hofft man doch sehr, dass die Kinder es gut mit einem meinen. War aber kein Problem und ich würde sogar sagen, dass es für den Anfang ganz gut war.

Werden noch ein bisschen was an der Präsentation ändern und dann nächste Woche zur nächsten Schule ziehen. Das Hauptproblem beim Thema Mülltrennung ist, dass der Großteil der Leute überhaupt kein Bewusstsein dafür hat, was mit dem Müll, der einfach achtlos in die Gegend geworfen wird, eigentlich passiert. Wir bringen den Kindern bei, dass sie den Müll in soliden und organischen Müll trennen sollen. Den organischen Müll können die Familien selbst auf einem Komposthafen zu Dünger verarbeiten und gerade läuft ein Pilotprojekt an, dass auch der solide Müll abgeholt und recycelt wird, aber dafür muss er zuvor getrennt werden.

Ein besonderes Problem, das der Müll vor allem hier in der Zone verursacht, ist, dass er die Wasserabflussgräben verstopft und das sowieso schon Überschwemmungsgefährdete Gebiet noch anfälliger macht…

Dann werde ich am Ende des Monats meine erste Fortbildungsveranstaltung für die Gesundheitspromotorinnen halten in der es um die Handhabung von Antibiotika gehen soll, denn auch das ist ein Problem, auf das ich schon ziemlich zu Beginn meiner Arbeit gestoßen bin. Die Promotorinnen wissen zwar so in etwa, was man bei der Einnahme von Antibiotika beachten muss, also zum Beispiel dass man die Packung trotz einer subjektiven Besserung zu ende nimmt, geben dieses Wissen aber nicht an die Leute weiter. Überhaupt geben die Promotorinnen meines Erachtens viel zu oft Antibiotika an die Patienten raus, ohne zu prüfen, ob wirklich eine Notwendigkeit besteht. Ich möchte den Frauen aber auch keinen Vorwurf machen, denn sie haben keine richtige medizinische Ausbildung und machen ihren Job so gut sie können. Ein anderes großes Problem ist auch die Verfütterung von Antibiotika an die Hühner. Die Leute kommen in die Klinik und kaufen zwei Tabletten Amoxicillin für ihre Hühner. Dazu müsst ihr noch wissen, dass Amoxicillin der einzige antibiotische Wirkstoff ist, der hier zur Verfügung steht, weil er einerseits billig ist, und andererseits ein relativ großes Erregerspektrum abdeckt, umso gefährlicher ist aber auch eine eventuelle Resistenzbildung, die durch dir Verfütterung von Amoxicillin an die Hühner, die die Menschen irgendwann später essen, sehr begünstigt wird. Allerdings weiß ich an diesem Punkt nicht so genau, wie vehement oder nicht ich meinen Standpunkt da vertreten soll, denn ich gehe davon aus, dass die meisten eher eine Resistenzbildung…. eine noch dazu recht abstrakte Sache… in Kauf nehmen würden, als zuzusehen wie ihre Hühner sterben, was man angesichts der herrschenden Armut ja auch irgendwie nachvollziehen kann. Ich habe mir überlegt, das Thema anzusprechen und zur Diskussion zu stellen, ohne ein Verhalten vorzuschreiben und ich bin gespannt, was dabei rauskommt.

Dann habe ich letzte Woche erfahren, dass ich Mitte November eine Capacitación, so was wie ein Workshop, zum Thema Aids und sexuell übertragbare Krankheiten mit Jugendlichen veranstalten soll. Das ist auf jeden Fall ein großer Berg Arbeit, denn viereinhalb Stunden wollen vorbereitet werden, aber auch wenn ich ganz schön Schiss hab, freu ich mich drauf.

Ansonsten mache ich nach wie vor Musik, gebe Klarinettenunterricht und so wies aussieht bald wohl auch… jetzt haltet euch fest: Ballettunterricht. Fragt besser nicht, ich bin da so reingerutscht, die Meisten von euch werdens nicht wissen, hab das auch bisher immer schön geheim gehalten, aber ich hab das vor langer Zeit schon mal gemacht… hihi, am Samstag fahren wir mit fünfzehn Mädels in die Hauptstadt zur ersten Ballettstunde mit einer professionellen Tänzerin, die wir alle zwei Wochen besuchen werden. Die übrige Zeit soll ich dann überbrücken… na ja wir werden sehen =)

Mit der Musikgruppe waren wir vergangenes Wochenende für drei Tage auf einem sagen wir Austausch in einem anderen Landesteil, bei dem wir mit etwa 150 Jugendlichen in den Bergen zwei Nächte gezeltet haben, alter Schwede sag ich euch, war das kalt da. Ich wusste nur so ungefähr, was mich erwartet und ich hatte auch gehört, dass es kälter werden könnte, aber nach zwei Monaten mit Tiefsttemperaturen um die 25 Grad, kommt man bei 15° doch schon so langsam ans Zittern, vor allem wenn man keinen Schlafsack hat, sondern nur drei Pullis, in die man sich in guter alter Zwiebelschalentechnik geworfen hat. Mal abgesehen von der nächtlichen Kälte, war es aber ein super Wochenende, die Landschaft einfach unglaublich und super viele nette Leute und ein gutes Programm.

Am ersten Abend und am nächsten Morgen ging es um die (Menschen) Rechte von Jugendlichen, am zweiten Abend dann um die Kultur. Was ist eigentlich Kultur, was macht Kultur aus, was macht die Salvadoreanische Kultur aus? Und genau die letzte Frage beinhaltet ein großes Problem.

In unserer kleinen Arbeitsgruppe sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Kultur eigentlich das Resultat der Geschichte eines Landes ist. Das Problem ist aber, dass viele Jugendliche hier über ihre Geschichte, die Geschichte ihrer Eltern und die Geschichte ihres Landen so gut wie gar nicht Bescheid wissen, was daran liegt, dass man als Kind ja eigentlich nur zwei Möglichkeiten hat, etwas über Geschichte und Kultur zu erfahren und das ist einmal das Zuhause und zum anderen die Schule. Viele Eltern sprechen mit Ihren Kindern nicht über die Vergangenheit, weil sie vom Krieg stark traumatisiert sind und sich mit Hilfe des Fernsehens in eine Friede-Freude-Eierkuchenwelt flüchten, die hilft, die erlittenen Schmerzen zu verdrängen. Hinzukommt, dass es fast keinerlei Aufarbeitungsmöglichkeiten oder Angebote gibt. In der Schule ist der Geschichtsunterricht Teil eines Faches und beschränkt sich mehr oder weniger auf die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus. Kriegsgeschichte und Kultur werden einfach nicht unterrichtet. Na ja ist ja auch eigentlich ganz praktisch, denn so wird vermieden, dass Kinder lernen, die Dinge kritisch zu hinterfragen, und Sachen die man selbst mitverbockt hat muss man den Kindern ja auch nicht unter die Nase reiben.

Beteiligen sich Kinder an Kulturprojekten, sei es nun eine Tanzgruppe, eine Musikgruppe, eine Theatergruppe oder was auch immer, werden Fähigkeiten wie Kreativität, Teamgeist, kritisches Denken und Leistungsbereitschaft gefördert und das auf spielerischem Wege, der Spaß macht. Seit kurzem gibt es hier so etwas wie einen Kulturbeauftragten, der für die Organisation eben solcher Projekte zuständig ist, der Austausch am Wochenende und die Ballettgruppe sind der Anfang, wobei aber natürlich auch schon die ein oder andere Gruppe besteht. Am letzten Tag des Festivals konnten dann alle Gruppen ihre Arbeit praesentieren, mit dabei waren verschiedene Musik-, Tanz- und Theatergruppen.

Ja, was ist noch passiert? Letzte Woche waren wir in der Hauptstadt unterwegs, weil wir unsere Aufenthaltserlaubnis verlängern und ein Visum beantragen mussten… das war ein kleines Abenteuer, das ich euch nicht vorenthalten möchte =)

Nach einer verregneten Hinfahrt auf der Ladefläche eines Pickups unter ner großen Plastikplane, hat sich meine Regenjacke zum ersten Mal so richtig bewährt. Ja angekommen, und mit Ulf getroffen. Ulf ist ein Deutscher der für drei Jahre in El Salvador arbeitet und ein wandelndes Lexikon was Mittelamerika betrifft. Er hat uns den ganzen Abend Geschichten von einzelnen Leuten aus El Salvador erzählt, dazu gabs Kartoffelsuppe, sehr gut mal was annähernd deutsches nach längerer zeit. Getoppt wurde das am nächsten Morgen noch von Brot - Weißpappe - mit Butter und deutscher Marmelade, die gute Göbber vom Lande... kann man hier für 3,50 Dollar kaufen....worüber man sich pötzlich freut.... aber die Fabrikmarmelade hier kann man einfach nicht essen, viel zu süß...
Danach dann zur Rechtsanwältin und zur Übersetzerin. Hat soweit alles geklappt, bis die Rechtsanwältin meinte, dass unser Gesundheitszeugnis nicht gültig ist, weil ein privater Arzt das ausgestellt hat und nicht ein Arzt der für das Gesundheitsministerium arbeitet. Ja. Ein Problem. Gloria, unsere Ansprechpartnerin hier und die Frau, die mit uns die ganzen Formalitäten regelt, kannte aber eine Ärztin flüchtig die fürs Ministerium arbeitet… also wir wieder quer durch die Stadt zu dieser Ärztin. Philipp hatte zufällig seine Untersuchungsergebnisse dabei, ich nicht, also ein neues Zeugnis für Philipp, für mich nicht... erst mal, am Ende dann doch, bin ja Medizinstudentin....
Dann zur Migration. So ein Spaß, mittlerweile wars eins oder so, tja und jetzt der Witz an der ganzen Sache: nee, das Gesundheitszeugnis können wir nicht anerkennen.... weil: Bei der Krankenhausverwaltung hat man mich nach dem Mädchennamen meiner Mutter gefragt. Ja, Lemmen sag ich. Alles klar, müssen ja in den Akten geführt werden. Am Ende hat man mich dann mit vollem Namen Ulrike Schraml Lemmen getauft. Ist hier so, Alle haben zwei Vor- und zwei Nachnamen. So stands dann auch im Zeugnis.... =) Dann haben wir der guten Frau von dem anderen erzählt, ja sagt sie, sie wolle das mal sehen, lag schon zerknüddelt müllfertig auf dem Rücksitz.... ja sagt sie, ist super, der Arzt ist bei uns registriert, das können wir nehmen =)
Ok, durchatmen. Dann: mein Missionarsausweis, leider fehlt ein a im Namen. Ulrike Schrml. Das können wir nicht anerkennen, aber wenn sie hier in der Gegend jemanden mit Schreibmaschine finden, können sie das ja eben korrigieren. Also wir auf Schreibmaschinensuche, haben dann einen netten Beamten vom Bildungsministerium gefunden, der das dann für einen Dollar gemacht hat. Vorne auf der karte steht jetzt mein Name und hinten vor der Unterschrift des Bischofs noch mal, dass Schraml auch wirklich der richtige Name ist =) ja und damit war alles kein Problem mehr. Unterschrift, Fingerabdrücke, Foto, Größe gewicht, Augenfarbe und zwei Adressen aus Deutschland von Leuten die uns kennen und am nächsten Tag hätten wir unsere Aufenthaltserlaubnis für die nächsten drei Monate abholen können, naja machen wir dann ein anderes Mal. Gloria die uns begleitet hat, hatte leider um drei nen Termin und wir warn aber noch nicht fertig. Sie ist dann gegangen und wir standen einsam und verlassen vorm Migrationsministerium, in dem wir wohlgemerkt die letzten warn, weil die eigentlich um halb vier zumachen.
Wir hatten mit einer, die auch bei uns im Büro arbeitet und die mit dem Auto nach San Salvador gefahren ist, verabredet, dass wir das Auto mit zurücknehmen werden, also haben wir uns mit ihr getroffen. Zu diesem Zweck wollten wir ein Taxi nehmen, haben dann auch eins ausgewählt, was uns als am fahrtauglichsten erschien, doch der gute Mann meinte, er rufe einen Kollegen. ja. der Kollege kam und hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, hätte ich gesagt, dieses Auto kann nicht einen Meter mehr fahren, so ein Schrotthaufen =) aber es fuhr, durch den San Salvadorianischen Verkehrsdschungel zum nächsten Einkaufszentrum, wo wir uns mit Rosy aus dem Büro getroffen haben. Mittlerweile wars fünf und um sechs wirds dunkel, also wir ins Auto, Problem: Philipp hatte keinen Führerschein dabei, also klein Ulli mit dem Pickup von San Salvador nach Nueva Esperanza. Wir hatten seit dem Frühstück nichts mehr gegessen, aber die nahende Dunkelheit ließ uns noch ein bisschen aufs Essen verzichten. Als wir aus der Stadt raus waren hab ich dann erst mal den salvadoreanischen Fahrstil getestet: rechts und auf dem Standstreifen überholen, vorher durch ein hupen ankündigen.... =) hat Spaß gemacht, aber bald wars zu dunkel für solche Spirenzchen. Und das war schon krass, denn es gibt unendlich viele Autos mit Zuckerrübentrekkerbeleuchtung oder auch ganz ohne.
Sind aber sicher angekommen, auf dem Weg haben wir dann noch Pupusas - Teigfladen mit Bohnenpampenkäsefüllung und Krautsalat mit Soße - gekauft und ab nach Hause, nach dem Essen, leider nicht satt, also noch zwei Pan Dulce - Kekse - mit nem Bierchen und dann nur noch todmüde ins Bett =) Alles in Allem eine sehr lustige Aktion. Jeden tag bestätigt sich eigentlich, dass es immer für alles eine Lösung gibt. Ich mein ist ja im allgemeinen so, aber der ein oder andere von euch, weiß, was mit mir passiert, wenn etwas mal nicht so ganz klappt, wie ich mir das vorher vorgestellt habe… nunja, Philipp war tapfer und hat meine schlechte Laune ertragen.

So ihr Lieben, mehr fällt mir grad nicht ein, jetzt habt ihr wieder ein paar Infos über Land und Leute und ein nettes Anekdötchen zum Schluss.

Ich drück euch, machts gut, passt auf euch auf,

Samstag, 20. September 2008

Von Maisernte und Fussballspielen

So ihr Lieben, endlich komme ich dazu meine nächste Rundmail zu verfassen, jetzt habt ihr ja auch ne ganz Zeit drauf warten müssen, aber je mehr der Alltag Einzug hält, desto mehr ist man auch beschäftigt. Ich habe mir jetzt überlegt, dass ich versuchen will, euch einmal im Monat mit einer Rundmail auf dem Laufenden zu halten. Wir haben angefangen zu arbeiten und heute möchte ich euch berichten, was ich den lieben langen Tag hier so treibe.

Christian, unser Vorgänger hat uns am 30. August verlassen, am 1. September haben wir angefangen zu arbeiten und unsere dritte Arbeitswoche neigt sich so langsam dem Ende zu.

Was machen wir eigentlich. Also ich arbeite vier Tage in der Woche zusammen mit so genannten Gesundheitspromotorinnen jeweils zwei Tage in den Clinicas von Nueva Esperanza und Ciudad Romero, der Nachbargemeinde von Nva. Esperanza. Unter einer Clinica muss man sich einen kleinen Raum vorstellen, in dem es ein Regal mit Medikamenten gibt und so das nötigste, was man für eine medizinische Grundversorgung braucht. Die Promotorinnen sind Frauen, die eine Grundausbildung in erster Hilfe haben und ungefähr wissen, welche Medikamente man bei welcher Erkrankung gibt, solange es sich um eine Grippe oder einfache Infektion handelt. In ihren Aufgabenbereich fällt auch die Betreuung und Begleitung der schwangeren Frauen der Gemeinde, Hausbesuche, Hygienekontrollen, z.B. in den Latrinen, Bildungsveranstaltungen für Kinder in Schulen und Kindergärten zu Themen wie Körperhygiene, Essenszubereitung oder Wasseraufbereitung.

Im Moment begleite ich die Promotorinnen und schaue mir alles an, was mich aber im Großen und Ganzen eher unzufrieden macht, weil ich nicht so richtig was zu tun habe. Allerdings habe ich schon einige Dinge entdeckt, zu denen ich in Zukunft Projekte planen kann, ich werde vermutlich ab Oktober einmal im Monat eine Fortbildung für die Promotorinnen anbieten, da soll es dann um verschiedene Dinge gehen. Mein erstes Thema wird die Handhabung der Medikamente sein. Ich kann im Moment noch nicht mehr machen, weil es noch ein bisschen an der Sprache hapert, aber ich arbeite dran und das Spanisch wird immer besser, sobald ich es besser drauf habe gibt es auch ne ganze Menge zu tun, es ist gut zu wissen, dass ich es selbst in der Hand habe, an der jetzigen Situation etwas zu ändern.

Mittwochs bin ich immer im Büro einer Organisation mit dem Namen Acudesbal, Comunidades Unidas. Das ist eine NGO, die sich für die Gemeinden der Bajo Lempa Region einsetzt. Acudesbal vertritt die Interessen der Leute vor Ort in verschiedenen Projekten mit dem Ziel, dass die Region langfristig unabhängig werden kann. Dabei steht vor allem die Bildung im Vordergrund wie zum Beispiel die Veranstaltung von Workshops zu Themen wie Katastrophenmanagement bei Überflutungen, Gesundheitsprävention, Ausbildung von Führungskräften für die Gemeindeleitung, zahlreiche Aktivitäten zur Einbindung der Jugend in die Organisation des Alltags und auch zu Gleichstellungsfragen oder Müllentsorgung. Ich bin einmal in der Woche dort und arbeite an einem Projekt zur Mülltrennung und Entsorgung, denn das ist hier schon ein ziemliches Problem. Die Leute werfen den Müll einfach an den Straßenrand und der Hausmüll wird hinterm Haus verbrannt, was nicht brennt, bleibt liegen. Heute sollte die erste Versammlung mit Vertretern der Gemeinden stattfinden, weils aber regnet ist keiner gekommen, nächste Woche ein neuer Versuch. Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen und Philipp und ich werden in der kommenden Zeit einen Workshop ausarbeiten, mit dem wir in Schulen und Kindergärten mit den Kindern zum Thema Müll arbeiten können.

Nach der Arbeit gibt es eigentlich immer was zu tun, ich habe angefangen einem Mädel Klarinettenunterricht zu geben, gebe einmal in der Woche in einer anderen Gemeinde des Bajo Lempa Percussionunterricht und am Wochenende mach ich mit einer Musikgruppe aus Nueva Esperanza Musik, mal mit der Trommel, mal mit der Klarinette, mal mit den Kongas.

Da sollte ich letztes Wochenende mit der Gruppe auf einem Festival auftreten, hat dann aber doch nicht geklappt. Das Festival hieß Festival de Maiz (Mais) und findet jedes Jahr zur Maisernte im September in der Zone statt. Dort kann jeder aus der Zone eigene Produkte verkaufen, lokale Gruppen tanzen und machen Musik und es wird über die aktuelle Arbeit und den Stand der Dinge in der Zone berichtet. Es war ein echt schöner Tag, sehr anstrengend zwar, aber wir konnten uns durch alle Spezialitäten futtern, die für die Gegend typisch sind und ich habe es sehr genossen.

Festival de maiz

Am Sonntag waren wir dann mit der Fußballequipe aus Nueva Esperanza zum ersten Auswärtsspiel der Saison unterwegs nach San Francisco, ein Ort ein wenig in den Bergen gelegen. Fußballspiele sind hier DAS Sonntagsereignis und es macht viel Spaß hinzugehen und mitzufiebern. Nva. Esperanza spielt in der vierten Liga, ist also für so ein kleines Dorf recht erfolgreich, letzte Saison haben sie sogar den Meistertitel geholt.

Saisoneroeffnung beim ersten Heimspiel

Nach zwei gewonnenen Heimspielen gab’s dann am Sonntag ein unentschieden. Morgens um sieben haben wir zusammen mit der Mannschaft und ungefähr 70 Fans einen LKW bestiegen und sind damit nach San Francisco gegurkt, es hat die Woche zuvor nicht geregnet und so sind wir am Ziel als Staubmännchen von der Ladefläche gestiegen. Der Fußballplatz dort war ein wenig abschüssig, und teilweise mit kleineren Grasbüscheln bestanden, was aber keinen so recht gestört hat.

Fanbus

Mittlerweile ist es vorbei mit der Sonne, es regnet seit zwei Tagen und der Pegel des Rio Lempa steigt und steigt, ich hoffe sehr, dass das Wetter es sich noch mal anders überlegt, falls nicht, wird es dann wohl bald die schon angekündigte Überschwemmung geben, denn entlang des Flusses fehlen etwa 15km Deich, der nicht gebaut wird, weil es sich um ein Naturschutzgebiet handelt…. Man kann dazu denken was man will, aber ich glaube, es handelt es sich mehr um eine politische Geschichte, denn in der Zone wohnen fast ausschließlich Oppositionsanhänger, warum sollte die Regierung für die Menschen hier den Deichbau unterstützen…. Nun wir schauen, wie das Wetter sich entwickelt.

So ihr Lieben, jetzt seid ihr so ziemlich auf dem neusten Stand der Dinge, ich hoffe, euch geht es allen gut, ich drücke euch und schick euch ganz liebe Grüße

Dienstag, 26. August 2008

Auf den Spuren der Maya

So, jetzt sollt ihr endlich auch mal ein paar Infos über Land und Leute bekommen. Die erste Woche ist um, weiß nicht so genau ob ich sagen soll, dass sie schnell vergangen ist, weil einerseits sind wir schon ne Woche hier, andererseits hab ich das Gefühl, dass in der ganzen Zeit unheimlich viel passiert ist, sodass es mir auch wieder länger vorkommt als nur eine Woche. Wie dem auch sei, heute ist Sonntag, und nachdem wir heute den Morgen damit verbracht haben, unsere Klamotten zu waschen, ist es jetzt etwa zehn vor zwölf und so hab ich mir gedacht, nutze ich die Zeit vor dem Mittagessen, euch ein wenig von den letzten beiden Tagen zu berichten, wir waren nämlich unterwegs.

Bei der Familie, bei der wir zurzeit essen, wohnen im Moment auch zwei Mädels aus Spanien. Die beiden Mädels, Philipp, Christian, Victor, Juri (zwei Salvadoreños) und ich haben uns Freitag Morgen auf die Ladefläche eines Pickup geschwungen, der uns zur Hauptstraße gebracht hat, von wo aus ein Bus nach San Salvador fährt, ab in den Bus und los ging’s. Busfahren ist schon ein ziemliches Abenteuer und bevor Philipp und ich alleine Busfahren können, müssen wir das wohl noch ein paar Mal in Begleitung üben. Ich hatte mir die Busfahrt ganz furchtbar schrecklich, heiß, stickig, stinkig vorgestellt, aber das muss ich korrigieren, Busfahren ist hier was ganz wunderprächtiges, denn alle Fenster sind auf und auch wenn der Bus voll beladen ist, weht eine kühle Brise und man ist gezwungen Nichts zu tun, hat Zeit zum nachdenken und Eindrücke verarbeiten. Eine sehr wichtige Sache, für die ich mir ein bisschen mehr Zeit nehmen sollte, aber wenn ich abends ins Bett falle, bin ich so müde, dass ich auf der Stelle einschlafe.

Also Busfahren: super. Ca zwei Stunden bis San Salvador, da hat uns dann Christians Freundin mit ner Freundin, die wir auch schon an unserem ersten Abend kennen gelernt haben, mit einem Microbus, Bus für ich sag mal 10 Personen, Personengrenze aber nach oben offen =), abgeholt.

Mit dem Microbus gings dann zur Ausgrabungsstätte Joya de Ceren, wo man vor etwa dreißig Jahren bei einem Bauvorhaben zufällig auf Reste eines Maya Dorfes gestoßen ist.

Die Maya sind eine Gruppe von Ureinwohnern in Mittelamerika, die bis etwa vierhundert nach Christus hier gelebt haben. Es gibt, glaube ich, im ganzen Land etwa sieben Ausgrabungsstätten, Joya de Ceren ist eine davon. Dort hat man ca. 10 Gebäude ausgegraben aus dessen Aufbau man auf die Familienstruktur zur Mayazeit schließen kann.

Ein Wohnhaus

Man vermutet, dass eine Mayafamilie aus etwa 3-5 Mitgliedern bestand. Jede Familie hatte ein Wohnhaus, einen Lagerraum und eine Küche. Man hat sogar ein öffentliches Dampfbad also quasi eine Sauna gefunden, die vollständig erhalten ist, inklusive der Dachkuppel.

Die Sauna

Dazu muss man wissen, dass etwa vierhundert nach Christus der Vulkan Ilopango ausgebrochen ist und das ganze Land mit einer acht Meter dicken Staub- und Ascheschicht bedeckt hat. Der Ausbruch war so heftig, dass man sogar in Grönland Gesteinsreste gefunden hat, in denen man Aschereste des Ilopango nachweisen konnte. Der Vulkan selbst hat sich bei diesem Ausbruch vollständig zerstört und heute findet man an dieser stelle einen riesigen Kratersee.

So, wo war ich, ja, das Mayavolk. Also die Asche und die Lava dieses und mehrerer danach folgender Vulkanausbrüche hat die Mayabauten und viele Gebrauchsgegenstände konserviert und es wird vermutet, dass die sieben Ausgrabungsstätten El Salvadors nur ein Bruchteil von dem sind, was sich wirklich in acht Meter tiefe befindet, aber weitere Ausgrabungen sind zur zeit nicht möglich, weil die Unesco das Ganze zum Weltkulturerbe erklärt hat und demnach prinzipiell alle weiteren Ausgrabungs- und Forschungsprojekte bezahlt würde, sofern sie dem archäologischen Material keinen Schaden zufügen. Und das ist wiederum so ne Sache, da el Salvador eine relativ unsichere Gegend ist was Naturkatastrophen wie z.b. Erdbeben, Wirbelstürme, etc betrifft, sodass die meisten Gelder nicht bewilligt werden.


In Croya de Ceren kann man also vor allem das alltägliche Leben der Maya nachvollziehen. Ca. 5 km weiter in San Andres befindet sich eine ausgegrabene Tempelanlage, bzw. wurden die Tempelspitzen nicht verschüttet und man geht davon aus, dass diese Tempel mit den Häusern in Croya de Ceren in Verbindung stehen, sich also unter der Erde eine ganze Stadt befindet.

In der Tempelanlage

Ja, Tempelanlage, schon ganz schön beeindruckend, aber viel zu warm um allzu lange dort herumzuspazieren. Zwischen den beiden Ausgrabungsstätten waren wir Mittagessen und zwar im Centro comercial von San Andres und das hat mich dann doch ganz schön nachdenklich gemacht. Wir waren in so nem Fastfoodtempel ähnlich der Cocacola Oase im Centro Oberhausen. Pizzahut, Subways, KFC, Burger King…. Und der ganze Raum ist voll mit essenden Menschen. Um dorthin zu gelangen, muss man durch San Andres und kommt man dann in diese Fresshalle, könnte der Unterschied und die Kluft nicht größer sein, vor allem wenn man bedenkt, dass ein Kaffeebauer in El Salvador etwa 5 Dollar am Tag verdient und mein Sandwich mit Fanta allein schon 3,50 gekostet hat. Das mussten Philipp und ich erst mal verdauen. Nach dem Besuch der Tempelruinen sind wir zum Quatepeque See (kein Plan wie mans schreibt) gefahren, auch ein Kratersee im Westen des Landes. Dort haben wir in einem Bungalow, der auf Stelzen auf dem See stand übernachtet und konnten einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück dann zurück nach San Salvador, wo wir uns mit unserer Gastfamilie getroffen haben und sind dann zusammen zum Meer gefahren. Uiuiui, der Pazifik, nicht schlecht Herr Specht, aber auch nicht ganz ohne. Man kann nur etwa bis zur Hüfte ins Wasser, weil die Wellen und die Rückströmung sonst zu hoch und gefährlich sind und wer denkt, hier gäb es weiße Sandstrände, der irrt, weil der Sand hauptsächlich aus Lavagestein besteht und daher eher eine dunkle Farbe hat.

Nach einem Tag am Meer dann gegen Abend zurück in die Gemeinde. Christian haben wir in San Salvador gelassen, weil er dort mit seiner Freundin zu einer Hochzeit eingeladen war.

Das sind so die ersten Eindrücke die ich von Land und Leuten außerhalb der Gemeinde sammeln konnte und sobald es mehr davon gibt, werde ich es aufschreiben.

Gestern haben wir uns mit unseren Projektpartnern getroffen und am Montag werden wir anfangen zu arbeiten.

Bis dahin erst mal soviel, bald dann mehr…

Dienstag, 19. August 2008

Bienvenid@s

Es ist kurz nach sechs morgens und ich habe in der letzten Nacht in meinem Bettchen zum ersten Mal wirklich gut geschlafen. Nachdem ich nach unserer Ankunft am Sonntag nur eine kurze Nachricht schicken konnte und dann auch nur an die E-Mailadressen, die ich im Kopf hatte und die kein – enthalten (weil das hab ich in der Schnelle auf der Tastatur nicht gefunden) ist jetzt heute endlich ein bisschen mehr Zeit und es besteht die Aussicht auf einen Internetzugang heute Mittag.

Ja, wo fang ich an: Flug war ok, vorläufiges Visum fü
r drei Monate war auch kein Problem, auch wenn der Beamte uns nicht so richtig abnehmen wollte, dass wir drei Monate als Touristen durch Salvador reisen wollen. Christian hat uns am Flughafen abgeholt, der kurze Weg zum Auto schon ne Herausforderung bei gefühlten dreißig Grad und hundert Prozent Luftfeuchtigkeit =) dann erst mal mit dem Auto in die Hauptstadt in ein kleines Hotel, Christian hat uns sicher dahin gefahren, was echt nicht so einfach aussieht, weil alle fahren einfach irgendwie. Waren dann Pizza essen und in ner Karaokebar und sind dann nach 30 stunden todmüde ins bett gefallen.

Am nächsten Mittag dann auf nach Nueva Esperanza in unser neues Zuhause für ein Jahr.


Christian sagte an irgendeiner Kreuzung: so jetzt verlassen wir die Zivilisation und die asphaltierte Straße. So war es auch. Hier ist alles unglaublich grün mit immer wieder großen Pfützen und Schlammlöchern auf den Straßen, die man aber durchfahren, überspringen, umlaufen oder durchlaufen kann. Hier ist gerade Regenzeit, wobei es zurzeit noch nur nachts regnet, dann aber richtig, und tagsüber die Sonne scheint. Das alles bei konstanten gefühlten 100% Luftfeuchtigkeit.
Die
Ankunft hier im Dorf war sehr herzlich auch wenn wir kein Wort verstehen, aber ich fühle mich bei den Menschen, die wir bisher getroffen haben auf jeden fall willkommen. Zunächst sind wir zum Gästehaus gefahren, dass für die nächsten drei Monate unser Zuhause sein wird, jeder von uns hat ein Zimmer, in dem drei Betten stehen. Vor dem Haus eine kleine überdachte Terrasse mit vier hängematten. Uiuiui, ich sag euch, ich bin jetzt schon hängemattensüchtig.

Das Gaestehaus

Die Dusche, in der seit kurzem das Wasser von oben kommt, ohne dass man es zuvor einfüllen muss direkt nebenan und ca. 50 Meter hinter dem Haus eine Latrine, die man eigentlich gut besuchen kann, wenn’s nicht gerade dämmert, denn die Dämmerung scheint die Zeit zu sein in der die Kakerlaken Parties auf Latrinen feiern, was aber eigentlich nicht weiter schlimm ist, die tun nix, oder man geht halt später.

Unser Latrinchen

Ja Ankunft, ausruhen, man bin ich kaputt, Jetlag und die Hitze machen mir doch ganz schön zu schaffen, weil das mit dem pennen dann doch eher so ne Sache ist. Waren dann am Abend bei einer Familie hier essen, auch da alle sehr aufgeschlossen und warmherzig, wohlgemerkt wir verstehen hier so gut wie nix und sagenkönnen wir auch so gut wie nix, aber mit Christians Hilfe und Händen und Füßen geht es so einigermaßen.

Dann nach dem Essen Treffen mit Freunden von Christian vor unserem Gästehaus zwischen den Hängematten. Also eins ist klar: feiern können die Leute hier sehr gut. Haben den ganzen Abend zusammen gesessen und gesungen, war echt schön, wenn ich nur nicht so müde gewesen wäre. Dann ins Bett, erste Nacht im Gästehaus, nun ja, war nicht so super. An die neue Geräuschkulisse muss man sich auf jeden fall erst mal gewöhnen. Gestern dann der Tag an dem Christian uns die Gemeinde gezeigt hat, uns vielen vielen Menschen vorgestellt hat, ob ich mir die ganzen Namen jemals merken kann, na ja, wir werden sehen. Sonst ging es dann gestern doch eher ruhig zu, was ich auch auf jeden fall gebraucht habe. Soeben ist dann die zweite Nacht vorbei, ich hab wirklich gut geschlafen, ausgestattet mit einem Paar Ohropax und einer sich summierenden Müdigkeit =)

also ihr seht, mir geht’s gut, weiß noch nicht wie der Plan für heute aussieht, wir wollen auf jeden fall die Organisation besuchen in der wir arbeiten werden und heute Abend ist ne Abschiedsparty für einen Studenten hier aus dem Dorf, der zurück nach Kuba zum studieren fliegt.

So ihr Lieben, gleich geht’s los zum frühstück,

ich drück euch ganz fest und schick euch liebe Grüße