Bei der Familie, bei der wir zurzeit essen, wohnen im Moment auch zwei Mädels aus Spanien. Die beiden Mädels, Philipp, Christian, Victor, Juri (zwei Salvadoreños) und ich haben uns Freitag Morgen auf die Ladefläche eines Pickup geschwungen, der uns zur Hauptstraße gebracht hat, von wo aus ein Bus nach San Salvador fährt, ab in den Bus und los ging’s. Busfahren ist schon ein ziemliches Abenteuer und bevor Philipp und ich alleine Busfahren können, müssen wir das wohl noch ein paar Mal in Begleitung üben. Ich hatte mir die Busfahrt ganz furchtbar schrecklich, heiß, stickig, stinkig vorgestellt, aber das muss ich korrigieren, Busfahren ist hier was ganz wunderprächtiges, denn alle Fenster sind auf und auch wenn der Bus voll beladen ist, weht eine kühle Brise und man ist gezwungen Nichts zu tun, hat Zeit zum nachdenken und Eindrücke verarbeiten. Eine sehr wichtige Sache, für die ich mir ein bisschen mehr Zeit nehmen sollte, aber wenn ich abends ins Bett falle, bin ich so müde, dass ich auf der Stelle einschlafe.
Also Busfahren: super. Ca zwei Stunden bis San Salvador, da hat uns dann Christians Freundin mit ner Freundin, die wir auch schon an unserem ersten Abend kennen gelernt haben, mit einem Microbus, Bus für ich sag mal 10 Personen, Personengrenze aber nach oben offen =), abgeholt.
Mit dem Microbus gings dann zur Ausgrabungsstätte Joya de Ceren, wo man vor etwa dreißig Jahren bei einem Bauvorhaben zufällig auf Reste eines Maya Dorfes gestoßen ist.
Die Maya sind eine Gruppe von Ureinwohnern in Mittelamerika, die bis etwa vierhundert nach Christus hier gelebt haben. Es gibt, glaube ich, im ganzen Land etwa sieben Ausgrabungsstätten, Joya de Ceren ist eine davon. Dort hat man ca. 10 Gebäude ausgegraben aus dessen Aufbau man auf die Familienstruktur zur Mayazeit schließen kann.
Man vermutet, dass eine Mayafamilie aus etwa 3-5 Mitgliedern bestand. Jede Familie hatte ein Wohnhaus, einen Lagerraum und eine Küche. Man hat sogar ein öffentliches Dampfbad also quasi eine Sauna gefunden, die vollständig erhalten ist, inklusive der Dachkuppel.
Dazu muss man wissen, dass etwa vierhundert nach Christus der Vulkan Ilopango ausgebrochen ist und das ganze Land mit einer acht Meter dicken Staub- und Ascheschicht bedeckt hat. Der Ausbruch war so heftig, dass man sogar in Grönland Gesteinsreste gefunden hat, in denen man Aschereste des Ilopango nachweisen konnte. Der Vulkan selbst hat sich bei diesem Ausbruch vollständig zerstört und heute findet man an dieser stelle einen riesigen Kratersee.
So, wo war ich, ja, das Mayavolk. Also die Asche und die Lava dieses und mehrerer danach folgender Vulkanausbrüche hat die Mayabauten und viele Gebrauchsgegenstände konserviert und es wird vermutet, dass die sieben Ausgrabungsstätten El Salvadors nur ein Bruchteil von dem sind, was sich wirklich in acht Meter tiefe befindet, aber weitere Ausgrabungen sind zur zeit nicht möglich, weil die Unesco das Ganze zum Weltkulturerbe erklärt hat und demnach prinzipiell alle weiteren Ausgrabungs- und Forschungsprojekte bezahlt würde, sofern sie dem archäologischen Material keinen Schaden zufügen. Und das ist wiederum so ne Sache, da el Salvador eine relativ unsichere Gegend ist was Naturkatastrophen wie z.b. Erdbeben, Wirbelstürme, etc betrifft, sodass die meisten Gelder nicht bewilligt werden.
In Croya de Ceren kann man also vor allem das alltägliche Leben der Maya nachvollziehen. Ca. 5 km weiter in San Andres befindet sich eine ausgegrabene Tempelanlage, bzw. wurden die Tempelspitzen nicht verschüttet und man geht davon aus, dass diese Tempel mit den Häusern in Croya de Ceren in Verbindung stehen, sich also unter der Erde eine ganze Stadt befindet.
In der Tempelanlage
Ja, Tempelanlage, schon ganz schön beeindruckend, aber viel zu warm um allzu lange dort herumzuspazieren. Zwischen den beiden Ausgrabungsstätten waren wir Mittagessen und zwar im Centro comercial von San Andres und das hat mich dann doch ganz schön nachdenklich gemacht. Wir waren in so nem Fastfoodtempel ähnlich der Cocacola Oase im Centro Oberhausen. Pizzahut, Subways, KFC, Burger King…. Und der ganze Raum ist voll mit essenden Menschen. Um dorthin zu gelangen, muss man durch San Andres und kommt man dann in diese Fresshalle, könnte der Unterschied und die Kluft nicht größer sein, vor allem wenn man bedenkt, dass ein Kaffeebauer in El Salvador etwa 5 Dollar am Tag verdient und mein Sandwich mit Fanta allein schon 3,50 gekostet hat. Das mussten Philipp und ich erst mal verdauen. Nach dem Besuch der Tempelruinen sind wir zum Quatepeque See (kein Plan wie mans schreibt) gefahren, auch ein Kratersee im Westen des Landes. Dort haben wir in einem Bungalow, der auf Stelzen auf dem See stand übernachtet und konnten einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück dann zurück nach San Salvador, wo wir uns mit unserer Gastfamilie getroffen haben und sind dann zusammen zum Meer gefahren. Uiuiui, der Pazifik, nicht schlecht Herr Specht, aber auch nicht ganz ohne. Man kann nur etwa bis zur Hüfte ins Wasser, weil die Wellen und die Rückströmung sonst zu hoch und gefährlich sind und wer denkt, hier gäb es weiße Sandstrände, der irrt, weil der Sand hauptsächlich aus Lavagestein besteht und daher eher eine dunkle Farbe hat.
Nach einem Tag am Meer dann gegen Abend zurück in die Gemeinde. Christian haben wir in San Salvador gelassen, weil er dort mit seiner Freundin zu einer Hochzeit eingeladen war.
Das sind so die ersten Eindrücke die ich von Land und Leuten außerhalb der Gemeinde sammeln konnte und sobald es mehr davon gibt, werde ich es aufschreiben.
Gestern haben wir uns mit unseren Projektpartnern getroffen und am Montag werden wir anfangen zu arbeiten.
Bis dahin erst mal soviel, bald dann mehr…






