Dienstag, 26. August 2008

Auf den Spuren der Maya

So, jetzt sollt ihr endlich auch mal ein paar Infos über Land und Leute bekommen. Die erste Woche ist um, weiß nicht so genau ob ich sagen soll, dass sie schnell vergangen ist, weil einerseits sind wir schon ne Woche hier, andererseits hab ich das Gefühl, dass in der ganzen Zeit unheimlich viel passiert ist, sodass es mir auch wieder länger vorkommt als nur eine Woche. Wie dem auch sei, heute ist Sonntag, und nachdem wir heute den Morgen damit verbracht haben, unsere Klamotten zu waschen, ist es jetzt etwa zehn vor zwölf und so hab ich mir gedacht, nutze ich die Zeit vor dem Mittagessen, euch ein wenig von den letzten beiden Tagen zu berichten, wir waren nämlich unterwegs.

Bei der Familie, bei der wir zurzeit essen, wohnen im Moment auch zwei Mädels aus Spanien. Die beiden Mädels, Philipp, Christian, Victor, Juri (zwei Salvadoreños) und ich haben uns Freitag Morgen auf die Ladefläche eines Pickup geschwungen, der uns zur Hauptstraße gebracht hat, von wo aus ein Bus nach San Salvador fährt, ab in den Bus und los ging’s. Busfahren ist schon ein ziemliches Abenteuer und bevor Philipp und ich alleine Busfahren können, müssen wir das wohl noch ein paar Mal in Begleitung üben. Ich hatte mir die Busfahrt ganz furchtbar schrecklich, heiß, stickig, stinkig vorgestellt, aber das muss ich korrigieren, Busfahren ist hier was ganz wunderprächtiges, denn alle Fenster sind auf und auch wenn der Bus voll beladen ist, weht eine kühle Brise und man ist gezwungen Nichts zu tun, hat Zeit zum nachdenken und Eindrücke verarbeiten. Eine sehr wichtige Sache, für die ich mir ein bisschen mehr Zeit nehmen sollte, aber wenn ich abends ins Bett falle, bin ich so müde, dass ich auf der Stelle einschlafe.

Also Busfahren: super. Ca zwei Stunden bis San Salvador, da hat uns dann Christians Freundin mit ner Freundin, die wir auch schon an unserem ersten Abend kennen gelernt haben, mit einem Microbus, Bus für ich sag mal 10 Personen, Personengrenze aber nach oben offen =), abgeholt.

Mit dem Microbus gings dann zur Ausgrabungsstätte Joya de Ceren, wo man vor etwa dreißig Jahren bei einem Bauvorhaben zufällig auf Reste eines Maya Dorfes gestoßen ist.

Die Maya sind eine Gruppe von Ureinwohnern in Mittelamerika, die bis etwa vierhundert nach Christus hier gelebt haben. Es gibt, glaube ich, im ganzen Land etwa sieben Ausgrabungsstätten, Joya de Ceren ist eine davon. Dort hat man ca. 10 Gebäude ausgegraben aus dessen Aufbau man auf die Familienstruktur zur Mayazeit schließen kann.

Ein Wohnhaus

Man vermutet, dass eine Mayafamilie aus etwa 3-5 Mitgliedern bestand. Jede Familie hatte ein Wohnhaus, einen Lagerraum und eine Küche. Man hat sogar ein öffentliches Dampfbad also quasi eine Sauna gefunden, die vollständig erhalten ist, inklusive der Dachkuppel.

Die Sauna

Dazu muss man wissen, dass etwa vierhundert nach Christus der Vulkan Ilopango ausgebrochen ist und das ganze Land mit einer acht Meter dicken Staub- und Ascheschicht bedeckt hat. Der Ausbruch war so heftig, dass man sogar in Grönland Gesteinsreste gefunden hat, in denen man Aschereste des Ilopango nachweisen konnte. Der Vulkan selbst hat sich bei diesem Ausbruch vollständig zerstört und heute findet man an dieser stelle einen riesigen Kratersee.

So, wo war ich, ja, das Mayavolk. Also die Asche und die Lava dieses und mehrerer danach folgender Vulkanausbrüche hat die Mayabauten und viele Gebrauchsgegenstände konserviert und es wird vermutet, dass die sieben Ausgrabungsstätten El Salvadors nur ein Bruchteil von dem sind, was sich wirklich in acht Meter tiefe befindet, aber weitere Ausgrabungen sind zur zeit nicht möglich, weil die Unesco das Ganze zum Weltkulturerbe erklärt hat und demnach prinzipiell alle weiteren Ausgrabungs- und Forschungsprojekte bezahlt würde, sofern sie dem archäologischen Material keinen Schaden zufügen. Und das ist wiederum so ne Sache, da el Salvador eine relativ unsichere Gegend ist was Naturkatastrophen wie z.b. Erdbeben, Wirbelstürme, etc betrifft, sodass die meisten Gelder nicht bewilligt werden.


In Croya de Ceren kann man also vor allem das alltägliche Leben der Maya nachvollziehen. Ca. 5 km weiter in San Andres befindet sich eine ausgegrabene Tempelanlage, bzw. wurden die Tempelspitzen nicht verschüttet und man geht davon aus, dass diese Tempel mit den Häusern in Croya de Ceren in Verbindung stehen, sich also unter der Erde eine ganze Stadt befindet.

In der Tempelanlage

Ja, Tempelanlage, schon ganz schön beeindruckend, aber viel zu warm um allzu lange dort herumzuspazieren. Zwischen den beiden Ausgrabungsstätten waren wir Mittagessen und zwar im Centro comercial von San Andres und das hat mich dann doch ganz schön nachdenklich gemacht. Wir waren in so nem Fastfoodtempel ähnlich der Cocacola Oase im Centro Oberhausen. Pizzahut, Subways, KFC, Burger King…. Und der ganze Raum ist voll mit essenden Menschen. Um dorthin zu gelangen, muss man durch San Andres und kommt man dann in diese Fresshalle, könnte der Unterschied und die Kluft nicht größer sein, vor allem wenn man bedenkt, dass ein Kaffeebauer in El Salvador etwa 5 Dollar am Tag verdient und mein Sandwich mit Fanta allein schon 3,50 gekostet hat. Das mussten Philipp und ich erst mal verdauen. Nach dem Besuch der Tempelruinen sind wir zum Quatepeque See (kein Plan wie mans schreibt) gefahren, auch ein Kratersee im Westen des Landes. Dort haben wir in einem Bungalow, der auf Stelzen auf dem See stand übernachtet und konnten einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück dann zurück nach San Salvador, wo wir uns mit unserer Gastfamilie getroffen haben und sind dann zusammen zum Meer gefahren. Uiuiui, der Pazifik, nicht schlecht Herr Specht, aber auch nicht ganz ohne. Man kann nur etwa bis zur Hüfte ins Wasser, weil die Wellen und die Rückströmung sonst zu hoch und gefährlich sind und wer denkt, hier gäb es weiße Sandstrände, der irrt, weil der Sand hauptsächlich aus Lavagestein besteht und daher eher eine dunkle Farbe hat.

Nach einem Tag am Meer dann gegen Abend zurück in die Gemeinde. Christian haben wir in San Salvador gelassen, weil er dort mit seiner Freundin zu einer Hochzeit eingeladen war.

Das sind so die ersten Eindrücke die ich von Land und Leuten außerhalb der Gemeinde sammeln konnte und sobald es mehr davon gibt, werde ich es aufschreiben.

Gestern haben wir uns mit unseren Projektpartnern getroffen und am Montag werden wir anfangen zu arbeiten.

Bis dahin erst mal soviel, bald dann mehr…

Dienstag, 19. August 2008

Bienvenid@s

Es ist kurz nach sechs morgens und ich habe in der letzten Nacht in meinem Bettchen zum ersten Mal wirklich gut geschlafen. Nachdem ich nach unserer Ankunft am Sonntag nur eine kurze Nachricht schicken konnte und dann auch nur an die E-Mailadressen, die ich im Kopf hatte und die kein – enthalten (weil das hab ich in der Schnelle auf der Tastatur nicht gefunden) ist jetzt heute endlich ein bisschen mehr Zeit und es besteht die Aussicht auf einen Internetzugang heute Mittag.

Ja, wo fang ich an: Flug war ok, vorläufiges Visum fü
r drei Monate war auch kein Problem, auch wenn der Beamte uns nicht so richtig abnehmen wollte, dass wir drei Monate als Touristen durch Salvador reisen wollen. Christian hat uns am Flughafen abgeholt, der kurze Weg zum Auto schon ne Herausforderung bei gefühlten dreißig Grad und hundert Prozent Luftfeuchtigkeit =) dann erst mal mit dem Auto in die Hauptstadt in ein kleines Hotel, Christian hat uns sicher dahin gefahren, was echt nicht so einfach aussieht, weil alle fahren einfach irgendwie. Waren dann Pizza essen und in ner Karaokebar und sind dann nach 30 stunden todmüde ins bett gefallen.

Am nächsten Mittag dann auf nach Nueva Esperanza in unser neues Zuhause für ein Jahr.


Christian sagte an irgendeiner Kreuzung: so jetzt verlassen wir die Zivilisation und die asphaltierte Straße. So war es auch. Hier ist alles unglaublich grün mit immer wieder großen Pfützen und Schlammlöchern auf den Straßen, die man aber durchfahren, überspringen, umlaufen oder durchlaufen kann. Hier ist gerade Regenzeit, wobei es zurzeit noch nur nachts regnet, dann aber richtig, und tagsüber die Sonne scheint. Das alles bei konstanten gefühlten 100% Luftfeuchtigkeit.
Die
Ankunft hier im Dorf war sehr herzlich auch wenn wir kein Wort verstehen, aber ich fühle mich bei den Menschen, die wir bisher getroffen haben auf jeden fall willkommen. Zunächst sind wir zum Gästehaus gefahren, dass für die nächsten drei Monate unser Zuhause sein wird, jeder von uns hat ein Zimmer, in dem drei Betten stehen. Vor dem Haus eine kleine überdachte Terrasse mit vier hängematten. Uiuiui, ich sag euch, ich bin jetzt schon hängemattensüchtig.

Das Gaestehaus

Die Dusche, in der seit kurzem das Wasser von oben kommt, ohne dass man es zuvor einfüllen muss direkt nebenan und ca. 50 Meter hinter dem Haus eine Latrine, die man eigentlich gut besuchen kann, wenn’s nicht gerade dämmert, denn die Dämmerung scheint die Zeit zu sein in der die Kakerlaken Parties auf Latrinen feiern, was aber eigentlich nicht weiter schlimm ist, die tun nix, oder man geht halt später.

Unser Latrinchen

Ja Ankunft, ausruhen, man bin ich kaputt, Jetlag und die Hitze machen mir doch ganz schön zu schaffen, weil das mit dem pennen dann doch eher so ne Sache ist. Waren dann am Abend bei einer Familie hier essen, auch da alle sehr aufgeschlossen und warmherzig, wohlgemerkt wir verstehen hier so gut wie nix und sagenkönnen wir auch so gut wie nix, aber mit Christians Hilfe und Händen und Füßen geht es so einigermaßen.

Dann nach dem Essen Treffen mit Freunden von Christian vor unserem Gästehaus zwischen den Hängematten. Also eins ist klar: feiern können die Leute hier sehr gut. Haben den ganzen Abend zusammen gesessen und gesungen, war echt schön, wenn ich nur nicht so müde gewesen wäre. Dann ins Bett, erste Nacht im Gästehaus, nun ja, war nicht so super. An die neue Geräuschkulisse muss man sich auf jeden fall erst mal gewöhnen. Gestern dann der Tag an dem Christian uns die Gemeinde gezeigt hat, uns vielen vielen Menschen vorgestellt hat, ob ich mir die ganzen Namen jemals merken kann, na ja, wir werden sehen. Sonst ging es dann gestern doch eher ruhig zu, was ich auch auf jeden fall gebraucht habe. Soeben ist dann die zweite Nacht vorbei, ich hab wirklich gut geschlafen, ausgestattet mit einem Paar Ohropax und einer sich summierenden Müdigkeit =)

also ihr seht, mir geht’s gut, weiß noch nicht wie der Plan für heute aussieht, wir wollen auf jeden fall die Organisation besuchen in der wir arbeiten werden und heute Abend ist ne Abschiedsparty für einen Studenten hier aus dem Dorf, der zurück nach Kuba zum studieren fliegt.

So ihr Lieben, gleich geht’s los zum frühstück,

ich drück euch ganz fest und schick euch liebe Grüße