Samstag, 20. September 2008

Von Maisernte und Fussballspielen

So ihr Lieben, endlich komme ich dazu meine nächste Rundmail zu verfassen, jetzt habt ihr ja auch ne ganz Zeit drauf warten müssen, aber je mehr der Alltag Einzug hält, desto mehr ist man auch beschäftigt. Ich habe mir jetzt überlegt, dass ich versuchen will, euch einmal im Monat mit einer Rundmail auf dem Laufenden zu halten. Wir haben angefangen zu arbeiten und heute möchte ich euch berichten, was ich den lieben langen Tag hier so treibe.

Christian, unser Vorgänger hat uns am 30. August verlassen, am 1. September haben wir angefangen zu arbeiten und unsere dritte Arbeitswoche neigt sich so langsam dem Ende zu.

Was machen wir eigentlich. Also ich arbeite vier Tage in der Woche zusammen mit so genannten Gesundheitspromotorinnen jeweils zwei Tage in den Clinicas von Nueva Esperanza und Ciudad Romero, der Nachbargemeinde von Nva. Esperanza. Unter einer Clinica muss man sich einen kleinen Raum vorstellen, in dem es ein Regal mit Medikamenten gibt und so das nötigste, was man für eine medizinische Grundversorgung braucht. Die Promotorinnen sind Frauen, die eine Grundausbildung in erster Hilfe haben und ungefähr wissen, welche Medikamente man bei welcher Erkrankung gibt, solange es sich um eine Grippe oder einfache Infektion handelt. In ihren Aufgabenbereich fällt auch die Betreuung und Begleitung der schwangeren Frauen der Gemeinde, Hausbesuche, Hygienekontrollen, z.B. in den Latrinen, Bildungsveranstaltungen für Kinder in Schulen und Kindergärten zu Themen wie Körperhygiene, Essenszubereitung oder Wasseraufbereitung.

Im Moment begleite ich die Promotorinnen und schaue mir alles an, was mich aber im Großen und Ganzen eher unzufrieden macht, weil ich nicht so richtig was zu tun habe. Allerdings habe ich schon einige Dinge entdeckt, zu denen ich in Zukunft Projekte planen kann, ich werde vermutlich ab Oktober einmal im Monat eine Fortbildung für die Promotorinnen anbieten, da soll es dann um verschiedene Dinge gehen. Mein erstes Thema wird die Handhabung der Medikamente sein. Ich kann im Moment noch nicht mehr machen, weil es noch ein bisschen an der Sprache hapert, aber ich arbeite dran und das Spanisch wird immer besser, sobald ich es besser drauf habe gibt es auch ne ganze Menge zu tun, es ist gut zu wissen, dass ich es selbst in der Hand habe, an der jetzigen Situation etwas zu ändern.

Mittwochs bin ich immer im Büro einer Organisation mit dem Namen Acudesbal, Comunidades Unidas. Das ist eine NGO, die sich für die Gemeinden der Bajo Lempa Region einsetzt. Acudesbal vertritt die Interessen der Leute vor Ort in verschiedenen Projekten mit dem Ziel, dass die Region langfristig unabhängig werden kann. Dabei steht vor allem die Bildung im Vordergrund wie zum Beispiel die Veranstaltung von Workshops zu Themen wie Katastrophenmanagement bei Überflutungen, Gesundheitsprävention, Ausbildung von Führungskräften für die Gemeindeleitung, zahlreiche Aktivitäten zur Einbindung der Jugend in die Organisation des Alltags und auch zu Gleichstellungsfragen oder Müllentsorgung. Ich bin einmal in der Woche dort und arbeite an einem Projekt zur Mülltrennung und Entsorgung, denn das ist hier schon ein ziemliches Problem. Die Leute werfen den Müll einfach an den Straßenrand und der Hausmüll wird hinterm Haus verbrannt, was nicht brennt, bleibt liegen. Heute sollte die erste Versammlung mit Vertretern der Gemeinden stattfinden, weils aber regnet ist keiner gekommen, nächste Woche ein neuer Versuch. Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen und Philipp und ich werden in der kommenden Zeit einen Workshop ausarbeiten, mit dem wir in Schulen und Kindergärten mit den Kindern zum Thema Müll arbeiten können.

Nach der Arbeit gibt es eigentlich immer was zu tun, ich habe angefangen einem Mädel Klarinettenunterricht zu geben, gebe einmal in der Woche in einer anderen Gemeinde des Bajo Lempa Percussionunterricht und am Wochenende mach ich mit einer Musikgruppe aus Nueva Esperanza Musik, mal mit der Trommel, mal mit der Klarinette, mal mit den Kongas.

Da sollte ich letztes Wochenende mit der Gruppe auf einem Festival auftreten, hat dann aber doch nicht geklappt. Das Festival hieß Festival de Maiz (Mais) und findet jedes Jahr zur Maisernte im September in der Zone statt. Dort kann jeder aus der Zone eigene Produkte verkaufen, lokale Gruppen tanzen und machen Musik und es wird über die aktuelle Arbeit und den Stand der Dinge in der Zone berichtet. Es war ein echt schöner Tag, sehr anstrengend zwar, aber wir konnten uns durch alle Spezialitäten futtern, die für die Gegend typisch sind und ich habe es sehr genossen.

Festival de maiz

Am Sonntag waren wir dann mit der Fußballequipe aus Nueva Esperanza zum ersten Auswärtsspiel der Saison unterwegs nach San Francisco, ein Ort ein wenig in den Bergen gelegen. Fußballspiele sind hier DAS Sonntagsereignis und es macht viel Spaß hinzugehen und mitzufiebern. Nva. Esperanza spielt in der vierten Liga, ist also für so ein kleines Dorf recht erfolgreich, letzte Saison haben sie sogar den Meistertitel geholt.

Saisoneroeffnung beim ersten Heimspiel

Nach zwei gewonnenen Heimspielen gab’s dann am Sonntag ein unentschieden. Morgens um sieben haben wir zusammen mit der Mannschaft und ungefähr 70 Fans einen LKW bestiegen und sind damit nach San Francisco gegurkt, es hat die Woche zuvor nicht geregnet und so sind wir am Ziel als Staubmännchen von der Ladefläche gestiegen. Der Fußballplatz dort war ein wenig abschüssig, und teilweise mit kleineren Grasbüscheln bestanden, was aber keinen so recht gestört hat.

Fanbus

Mittlerweile ist es vorbei mit der Sonne, es regnet seit zwei Tagen und der Pegel des Rio Lempa steigt und steigt, ich hoffe sehr, dass das Wetter es sich noch mal anders überlegt, falls nicht, wird es dann wohl bald die schon angekündigte Überschwemmung geben, denn entlang des Flusses fehlen etwa 15km Deich, der nicht gebaut wird, weil es sich um ein Naturschutzgebiet handelt…. Man kann dazu denken was man will, aber ich glaube, es handelt es sich mehr um eine politische Geschichte, denn in der Zone wohnen fast ausschließlich Oppositionsanhänger, warum sollte die Regierung für die Menschen hier den Deichbau unterstützen…. Nun wir schauen, wie das Wetter sich entwickelt.

So ihr Lieben, jetzt seid ihr so ziemlich auf dem neusten Stand der Dinge, ich hoffe, euch geht es allen gut, ich drücke euch und schick euch ganz liebe Grüße

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