Dienstag, 17. Februar 2009

A conocer el pais...

So, heute hier nur ein paar Fotos von einem Samstagsausflug mit ein paar Freunden, den übrigen Text dieses Eintrags habt ihr hoffetlich in einer Email bekommen, falls nicht, lasst es mich wissen, dann schick ich ihn euch nochmal...


Der Tag beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück



Über den Dächern von San Salvador


Los tres Alemanes



Besuch in einem Künstleratelier


Montag, 19. Januar 2009

Vom Urlaub...

Hallo ihr Lieben,
Philipp und ich sind wieder im Lande, genauer gesagt sind wir hier am Samstag kopfüber reingestürzt, doch davon später. Zu allererst wünsche ich euch allen ein frohes neues Jahr mit den Besten Wünschen und der Hoffnung, dass ihr eure guten Vorsätze, sofern ihr welche hattet noch nicht über den Haufen geschmissen habt und wenn doch, macht euch nix draus. Vielleicht tröstet es wenn ich euch sage, dass ich keine hatte, aber ich nehme noch gerne Vorschläge entgegen. Ja, also wir war das mit dem Urlaub, wo fange ich denn mal an? Möglicherweise beim Weihnachtsfest. Mein Weihnachtsfest war sehr unspektakulär, was es mir ganz schön schwer gemacht hat, Deutschland und meine Family nicht zu vermissen, ganz zu schweigen vom Radhausabend am 25. Aber nun gut, was hab ich gemacht. Morgens hab ich das Weihnachtshühnchen geschlachtet, gerupft, gewaschen, ausgenommen und gekocht um es danach zu Sandwichaufstrich zu verarbeiten. Dazu muss ich sagen, es war mein zweites Hühnchen, was dran glauben musste, aber das erste bei dem mir meine Gastmutter die komplette Zubereitung überlassen hat. Dann hab ich noch ein bisschen meine Sachen gepackt und gegen fünf gings dann zum Krippenspiel ins Gemeindezentrum, danach noch kurz zu den Eltern meiner Gasteltern und da klein Ernesto, also mein quasi Gastbruder so müde war, danach auch schon nach Hause. Und so saßen wir zu dritt im Haus und haben erzählt, Rum und Wein und Bier getrunken und danach gings ab in die Falle. Jetzt darf man aber nicht denken, dass das das typische Weihnachtsfest der Salvadorenos ist, von Philipp weiß ich, dass es bei ihm ein wenig anders zugegangen ist. Man trinkt und isst gemeinsam, besucht mit einem Fresskorb bepackt seine Freunde in der Gemeinde und um 12 treffen sich alle auf der Straße und feiern mit Böllern und Raketen.
Der eigentliche Feiertag ist der 1. Weihnachtstag, der uns auch einen Strich durch die Urlaubsplanung gemacht hat, denn es fahren weder Taxis, noch Busse, noch sonstirgendwas, sodass wir unsere Reise nach Nicaragua erst am nächsten Tag antreten konnten. Wir hatten das Glück einer Mitfahrgelegenheit zum Flughafen und sind wagemutig mitgefahren, im Glauben, es müsse doch irgendein öffentliches Verkehrsmittel vom Flughafen in die Hauptstadt geben, und zum Glück, so wars auch. Also haben wir uns am 25. auf die Socken gemacht und sind am 26. abends nach irgendwie 11 Stunden Fahrt in Managua, Nicaragua angekommen. Am nächsten morgen dann direkt weiter nach Granada, ein kleines Städtchen im Kolonialstil, wir hatten schon viel gehört, wie schön es dort sein soll, umso größer war die Enttäuschung. Der Marktplatz und die Kathedrale, sowie ein Sträßchen runter zum See, wunderschön gemacht, aber schaut man eine Straße weiter erkennt man die Theaterkulisse, die Granada für seine Touristen errichtet hat. Die gleiche Armut, der gleiche Dreck, wir fühlten uns verarscht und statt zwei Tage zu bleiben, haben wir uns am nächsten Tag auf den Weg in das wesentlich ehrlichere Masaya begeben, wo wir den Tag auf dem größten Kunsthandwerksmarkt des Landes verbracht haben und diesen schönen Baum entdeckten. Von Masaya weiter an die Pazifikküste nach San Juan del Sur, wo wir eigentlich auch Sylvester feiern wollten. Nach einem Tag am Strand und zwei Übernachtungen und einem wunderschönen Sonnenuntergang haben wir auch dort die Flucht ergriffen, denn wenn man plötzlich mehr Englisch als Spanisch hört und um sich herum nur betrunkene Amis, na ja, das war einfach nicht das, was wir wollten, also den Reiseplan noch mal umgeschmissen, wir waren einfach reif für die Insel. Dazu muss man wissen, Nicaragua hat einen riesigen See, der fast so groß ist wie ganz El Salvador in dessen Mitte sich eine Insel, bestehend aus zwei Vulkanen befindet: La Isla de Ometepe. Ometepe ist Nahuatl und bedeutet soviel wie ‚zwei Hügel’, oder zwei Vulkane und wenn man dieses Foto sieht, weiß man warum =)
Und da fanden wir endlich was wir suchten. Die erste Nacht, übrigens Sylvester, wollten wir noch in der Hafenstadt verbringen, in der Annahme, da sei Abends bestimmt was los, ja ihr Lieben was soll ich sagen, ich sags nur ungern, aber so isses: wir haben beide Sylvester verschlafen… Am nächsten Morgen hieß es dann bienvenidos a 2009. Nun ja haben uns nicht lange geärgert sondern die Flucht aufs Land ergriffen, wo wir uns so wohl fühlten, dass wir den Rest des Urlaubs dort verbracht haben. Weiter im Inselinnereen haben wir uns eine nette Herberge gesucht, die unseren Häusern in El Salvador schon sehr ähnlich war, aber da gings uns gut also blieben wir. Zufällig feierte das Dorf in diesen Tagen seinen Geburtstag und so konnten wir Zeuegen eines Stierkampfes werden, nichts für schwache Gemüter, soviel steht fest. Am nächsten Tag kamen wir in unserer Abenteuerlust auf die wahnwitzige Idee, einen der beiden Inselvulkane, den Maderas, zu besteigen, klar, warum auch nicht, sind ja nur 6 km und 1300 Höhenmeter eine Strecke und in 3-4 Stunden soll man oben sein, die Norweger, die wir abends zuvor getroffen haben, haben es in 3 stunden geschafft, also so schlimm kanns ja nicht sein… dachten wir. Ich Hampelfrau hab ja Wanderschuhe mitgenommen… nach El Salvador, da stehen sie auch immer noch gut unter meinem Bett. Na gut, dann eben mit Chucks.
Morgens um halb sieben gings los, noch gut frühstücken vorher aber dann, so schön es auch war, durch den tropischen Regenwald und durch die Wolken da hoch zu kraxeln, während über einem die Affen durch die Bäume turnen und bunte Vögel durch die Luft fliegen, es war verdammt hart, aber man fühlt sich so unglaublich gut, wenn man dann endlich nach 3,5 Stunden oben angekommen ist, das Problem ist das Wissen, dass man auch wieder runter muss. Nun gut, zunächst denkt man, runter müsste ja eigentlich schneller gehen als hoch, aber weit gefehlt, es hat noch mal 3,5 Stunden gedauert und der Muskelkater die drei folgenden Tage war das Geschenk, genau so, wie die tollen Fotos die wir machen konnten, da ist man am Ende schon wieder ein bisschen versöhnlicher. Noch ein Wort zu meinen Schuhen, die übrigens ein Geburtstagsgeschenk einer guten Freundin aus Düsseldorf waren und die sich immer beschwert hat, dass sie noch nicht dreckig genug seien, jetzt sind sies, aber eine Guatemaltekische Waschmaschine konnte zum mindest den groben Dreck entfernen.
Am ersten Januarwochenende hieß es dann Abschied nehmen und auf nach Guatemala zum Zwischenseminar. Ich war nicht sonderlich scharf darauf auf 20 andere Deutsche zu treffen, aber wir waren eine tolle Gruppe und es war unglaublich intensiv und anstrengend.
Zwischendurch haben wir einen Exkursionstag eingelegt, klingt wichtig, wars auch aber ich würde es wohl eher Ausflug nennen, was haben wir gemacht, drei mal dürft ihr raten, genau, wir haben einen Vulkan bestiegen, diesmal hieß er Pacaya und der Weg war wesentlich weniger schwierig, dafür aber das beeindruckendste Naturerlebnis ever. Der Pacaya ist einer der zwei noch aktiven Vulkane in der Region um Guatemala City und beim hochsteigen konnten wir schon glühende Gesteinsbrocken vom Gipfel fallen sehn. Während es in den unteren zwei Dritteln ziemlich kühl war, blies weiter oben eine warme Brise zwischen den Steinen hervor. Auf dem Gipfel angekommen, konnten wir beobachten, wie die glühende Lava als dicke, rot-gelb-orange Suppe aus dem Berg quoll und sich langsam den Weg nach unten suchte. Dazu am Horizont ein wunderbar unperfekter Sonnenuntergang mit ein paar Wolken dazwischen und während die Sonne auf der einen Seite unterging, tauchte der Vollmond auf der anderen Seite hinter den Bergen auf. Diese Beschreibung ist so absolut unvollständig, weil sie viel zu sachlich beschreibt, was da passiert ist, ich kanns nicht besser, aber es war ein unglaubliches Gefühl. Dann beim Abstieg, kommen wir plötzlich um eine Ecke und vor uns tauchten die Lichter von Guatemala City im Tal auf.
Was soll ich sagen, ein Tag den ich wohl nicht so schnell vergessen werde. Danach noch zwei Tage Seminar und dann noch drei Tage Urlaub in Guatemala, bevor es dann zurückging.
Heute ist unser erster Arbeitstag und wenn hier wieder Struktur drin ist auch wieder Infos zum Projekt, Land und Leute. Bis dahin passt auf euch auf…

Ja, da hat mich Carinchen auf was aufmerksam gemacht, fing ich doch an mit kopfüber und so, auch wenn es sich nicht um eine Katastrophe handelt... Ja also als wir am Samstag uns auf den Weg in den Bajo Lempa machten, hat man uns auf halber Strecke aus dem Bus gefischt, weil zufällig ein Auto von unserer Organisation vorbeikam und uns gesehen hat. Daher hieß es erst mal noch Versammlung wg. der Komunalwahlen und statt um 12 war ich um vier zuhause, totmüde, aber wieder mitendrin...

Dienstag, 23. Dezember 2008

Feliz navidad y próspero año nuevo...

Was soll ich sagen, es ist Weihnachten und 2008 ist fast vorbei.
Ich habe mein Versprechen nicht gehalten und ihr habt im Dezember wohl vergeblich auf einen neuen Eintrag gewartet, und auch dieser Eintrag ist nur kurz. Der Vorweihanchtsstress scheint auf der ganzen Welt ähnlich zu sein, auch wenn er sich hier etwas anders gestaltet. Ich war in den letzten Wochen viel unterwegs, jede Organisation hat ihre Jahresabschlussfeier und so bin ich einfach nicht dazu gekommen.
Ein Tag am Stand mit meiner Ballettgruppe, ein Tag am Meer mit unserer Organisation ACUDESBAL,
ein Tag in den Bergen mit der Gesundheitsorganisation ASPS,
ein Tag Weihnachtsfussballturnier.....Der Dezember ist wie im Flug vergangen und so ist morgen wohl Heiligabend. Ich kanns mir kaum vorstellen, Sonne, Palmen und Kokosnüsse machen es mir schwer und so bleibt die Weihnachtsstimmung wohl einfach aus. Dafür bin ich ein bisschen dankbar, da wär man dann doch mal gerne kurz drei oder vier Tage Zuhause.
Am Donnerstag fahren mein Projektpartner Philipp und ich in den Urlaub nach Nicaragua, machen dort eine kleine Rundreise, bevor wir uns dann am 4. Januar auf den Weg nach Guatemala machen, wo wir uns mit 15 anderen deutschen Freiwilligen zum Zwischenseminar treffen. Am 17. oder 18. Januar machen wir uns dann auf den Rückweg. Und daher werdet ihr auch bis dahin nichts mehr von mir hören, angeblich funktioniert mein Handy in Nicaragua und Guatemala nicht und von Internetcafés wollen wir uns fernhalten. Ich freue ich unglaublich auf den Urlaub, zum ersten Mal ein wenig Zeit für mich.
Ihr Lieben, ich wünsche euch ein wunderschönes Fest und kommt gut ins neue Jahr, ich denke viel an euch,

passt auf euch auf!

Montag, 1. Dezember 2008

.... und Spendenkonten

Wer mein Projekt hier in El Salvador unterstützen möchte kann das tun. Ich kann entscheiden, was mit dem Geld passiert und kann euch garantieren, dass es auch da ankommt, wo es hin soll. Da das Ganze über meinen Träger, das Bistum Münster läuft, erhaltet ihr auf Wunsch auch eine Spendenquittung, wenn ihr eure Adresse mit auf den Überweisungsträger setzt.

Mein Spendenkonto:
Kontonummer: 2000100

BLZ 40060265 Bistumskasse Münster
Verwendungszweck: RTR 001-1.2211.2261 EL Salvador, US

Ein riesiges Dankeschön an Alle, die mein Projekt unterstützen oder schon unterstützt haben!!!

Von Weihnachtswerbung und Postadressen

Hallo ihr Lieben,
es geht mit großen Schritten auf Weihnachten zu und für mich ist das so unglaublich irreal. Das Leben hier hat mit Weihnachten oder mit Advent so gut wie gar nichts zu tun, das einzige was einen daran erinnert, dass es in nur drei Wochen schon so weit ist, sind die Werbespots und Trailer im Fernsehen, bei denen zu Jinglebells und Merry Christmas in dicke Mäntel gepackte Weihnachtsmänner durch den Schnee stapfen und mit Glöckchengebimmel versuchen, ein amerikanisiertes Weihnachtsfeeling aufkommen zu lassen, aber ich glaube mein Fall ist Hoffnungslos und daran ist nicht zuletzt das Wetter schuld.
Nun, wie dem auch ist, ich möchte euch allen eine wunderprächtige Adventszeit wünschen, hoffe, der allgemeine Weihnachtsstress hält sich in Grenzen und ihr findet trotz allem ein bisschen Zeit, die schönen Momente dieser Jahreszeit genießen zu können, ich muss gestehen, ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber es fehlt mir ein bisschen.
Viele von euch haben mich nach meiner Adresse gefragt und ich möchte euch sie nicht vorenthalten, aber ihr sollt wissen, dass ich in diesem Jahr keine Weihnachtspost oder Weihnachtsgeschenke verschicken werde.

Gloria Nuñes
Col. Porticos de San Ramon
Pje 8N° 18N
San Ramon Mejicanos
San Salvador
El Salvador

Das ist die Adresse von einer Bekannten in San Salvador, dieser Postweg ist der einfachste und schnellste und verhindert, dass die Post auf dem Weg von der Stadt aufs Land verloren geht =)
So ihr lieben, ich drücke euch feste und wünsch euch nur das Beste, die nächste Rundmail kommt Mitte Dezember, bis dahin machts gut,
eure Ulli, Ulle, Rike

Montag, 17. November 2008

Von Weihnachtsbäumen und kulinarischen Köstlichkeiten


Die letzte Info habe ich zusammengekauert unter meinem Mückennetz bei strömendem Regen geschrieben, daran ist jetzt schon nicht mehr zu denken. Seit gut zweieinhalb Wochen ist Sommer, als hätten wir den nicht schon vorher gehabt, subjektiv wenigstens. Irgendwann hats nachts noch mal kräftig gewittert und am nächsten Morgen war es überraschend kühl, es wehte eine kühle Brise und beim Frühstück sagte mir mein Gastvater: So Uli, jetzt ist Sommer. Ich hab das nicht so ganz geglaubt, weil wie soll denn bitte von heute auf morgen der Sommer kommen, aber er hat Recht behalten. Seitdem hat es nicht mehr geregnet, die letzten Pfützen trocknen noch, die Straßen haben sich zu Staubschleudern verwandelt und ich verpacke meine sauberen Klamotten in Kisten, damit sie nicht tagsüber zustauben. Was soll ich sagen, wir sind den alljährlichen Überschwemmungen mit Glück entkommen und weil, so sagt man, nun die zwei schönsten Monate vor der Türe stehen haben auch alle Schulen und Kindergärten jetzt Sommerferien, könnt ihr euch wahrscheinlich nur schlecht vorstellen, aber wie es so ist, man will immer das, was man grade nicht hat. Wettertechnisch ist hier jeder Tag gleich und manchmal wünsche ich mir einen grauen, nasskalten Novembersonntag, an dem man nichts, aber auch gar nichts vor hat, Zuhause im Wohnzimmer sitzt, sinnlos Kaffee, Kuchen und lauter andere ungesunde Sachen in sich reinschaufelt, Kerzen brennen und man in eine Decke gemümmelt ein gutes Buch lesen oder fernsehen kann.
Apropos Fernsehen: Ich bin vor anderthalb Wochen endlich aus dem Gästehaus ausgezogen. Habe am Ende gemerkt, dass es auch allerhöchste Eisenbahn wurde. Bin in eine Gastfamilie in die Comunidad Amando Lopez gezogen, die etwa 10km von Nueva Esperanza entfernt ist und ich merke, dass es mir gut tut, einerseits getrennt von Philipp, also gezwungen den ganzen Tag spanisch zu sprechen und andererseits kann ich endlich tiefer ins Leben und in die Kultur der Menschen hier eintauchen. Meine Family entspricht nicht so ganz der typischen Salvadoreanischen Familie, sie besteht nämlich nur aus Vater - Dore, Mutter - Mabel und einem dreijährigen Sohn namens Ernesto.

Mabel ist nur ein paar Monate älter als ich, was sich schon ein wenig seltsam anfühlt, denn ich bin einfach eine absolute Haushaltsinvalidin, wenn es um den salvadoreanischen Haushalt geht und für absolut nichts zu gebrauchen, aber Mabel hat Nachsicht und hat mich als Azubi eingestellt. Und so lerne ich jetzt Feuer machen, Mais und Bohnen auf dem Feuer zu kochen, Mais zu mahlen, Tortillateig zu machen, Tortillas zu machen…. Das sag ich euch, es sieht so einfach aus, aber es ist eine Wissenschaft für sich. Tortillas sind CD große Teigfladen, die es einfach zu jeder Mahlzeit gibt, und bestehen aus gekochtem und dann gemahlenem Mais, also quasi aus Mais und Wasser, wobei man dem Teig kein Wasser mehr zufügen muss. Der gekochte Mais wird einfach gemahlen und dann geknetet. Bis dahin soweit so gut, aber dann: Man mache aus einem Teighaufen eine CD große Tortilla, erst ein bisschen platt drücken, dabei immer schön zwischen den Fingern drehen, soll ra rund werden und kein Ei, dann die linke Hand anfeuchten, aber nicht zu viel, sonst werden es Schuhsohlen, dann Fladen in die linke Hand und mit der rechten leicht plattklopfen und dabei im Kreis drehen, ohne dass der Teig einreißt. Na, alles klar? Bei mir so wenig wie bei euch. Wo wir schon grade beim Essen sind, so viele von euch haben mich gefragt, was es eigentlich so zu essen gibt und das könnte ich an dieser Stelle ja mal kurz beantworten. Also Hauptnahrungsmittel sind: Mais in allen Variationen, das heißt als Tortilla, als gekochter Kolben, als Tamales, irgendwie auch Maisteig, aber noch hab ich keinen Plan wies funktioniert, als Fresco – so was wie Limonade oder auch als atol – dickflüssiges Maismehlgetränk mit Klümpchen und relativ salzig, nicht so mein Favorit ist ganz furchtbar mächtig, gibt’s aber auch aus Cashewkernen und das schmeckt dann schon wieder ganz anders. Ja, der Mais, dicht gefolgt von Reis und roten Bohnen, Bohnen mal als Pampe, mal als Suppe, vereint mit Reis dann auch Hochzeit – Casamiento genannt. Dann Eier: Spiegelei, Rührei mit oder ohne Gemüse, hartgekochtes Ei, Omelette… und wie einige von euch vielleicht wissen, hab ich vorher keine Eier gegessen… Wenn ich heute nach Hause komme und so n leckeres Spiegelei auf meinem Teller finde, freu ich mich schon drüber.
Ja also dann das Fleisch: Also es gibt nicht sonderlich häufig Fleisch, weil es einfach relativ teuer ist, für mich aber grundsätzlich erst mal von Vorteil, bin ja nicht so die große Fleischesserein, hatte ja sogar überlegt, ob ich hier allen erzählen soll, ich sei Vegetarierin, hab mich dann aber bei meiner ersten Gastfamilie bei der ich in Nueva Esperanza gegessen habe, dagegen entschieden und auf die Frage hin, was ich denn nicht mag nur gesagt, ich mag keinen Fisch. So fing die Quälerei an. Ein Ei, das nächste Ei, Fleisch mit ganz viel Knochen Fett und undefinierbaren Strukturen, aber ich musste feststellen, man gewöhnt sich an Alles. Bis ich auf einmal eines Mittags in ein Stück Fleisch beiße und denke, hm na ja schmeckt komisch, ein bisschen wie Wild, nee das kanns nicht sein, gibt’s hier nicht so viel von und ist viel zu teuer. Ok, was könnte es sonst sein? Letzte Woche wurde ne Kuh geschlachtet, es muss was von der Kuh sein. Fragen, oder erst aufessen? Ulrike, erst aufessen. Aufgegessen, sag mal Niña Santos, was war das für ein Fleisch? Ja, das war Zunge und Herz von der Kuh, lecker nicht? Eh, ja, sehr =) Hab meinen Teller gespült und bin ein kleines Bisschen stolz nach Hause gegangen. Anderer Tag, wieder undefinierbares auf dem Teller. Fragen, oder essen? Fragen, bin ja jetzt schon mutiger. Ja, das ist Hühnchenmagen und Hühnchenleber. Ok, der Magen war gar nicht so übel aber die Leber… nun ja, egal.
Dann, anderer Tag, mittags um halb fünf: Uli, Philipp, wir gehen fischen, kommt ihr mit, ja klar. Irgendwie quer durch die Felder durch knietiefen Matsch und strömenden Regen, 20 Minuten oder so, bis zum Fluss. Ich dachte mir schon um sechs wird’s dunkel, wir sind zum Abendessen sicher nicht zurück. Ja, am Fluss, kleine Holzhütte, braten wir doch den Fisch, den wir gefangen haben. Ehm ja, ich mag doch eigentlich keinen Fisch, hab aber Hunger, also probieren wirs mal…. Und was muss ich feststellen: Es schmeckt. Nach dem Fisch ne Garnele hinterher. Überlebt, zurück nach Hause. Meine Gastmutter hat mitbekommen, dass ich angeln war: Und hat der Fisch geschmeckt? Ja, hat er. Wie gut, dann kannst du ja nächstes Mal wenn ich Fisch koche auch Fisch essen. Ja, mach ich. Was soll ich sagen, der Fisch haut mich noch nicht vom Hocker, aber ich kann ihn essen, wenn auch ich nach wie vor vorsichtig bin.
Anderer Tag, Uli, Philipp, habt ihr Lust mit zu ner Versammlung nach Jiquilisco zu fahrn? Klar, haben wir. Wir sitzen im Auto und fahren an der Ausfahrt nach Jiquilisco vorbei. Das kann nur einen Grund haben, wir müssen noch Getränke kaufen. Naja, fast. Ab in die nächste Outdoorbar und statt Versammlung acht Bier zum Preis von sieben, inclusive Snackplatte mit Hühnchen, Fisch und seltsamen Eiern. Was sind das für Eier? Das, ach das sind rohe Schildkröteneier, wollt ihr mal probieren? Ehm, noch zwei Bier, dann vielleicht. Man mache mit den Fingernägeln ein kleines Loch in die relativ elastische Schale und schütte Salz und Limone rein und dann: Aussaugen. Nach wie vor scheußlich und denke ich nüchtern daran, dann denke ich immer noch, wie konnte ich das tun, aber es ging und so hatte ich drei davon, zwei so und eins im Bier. Außerdem gabs Krebssuppe. Kleines Töpfchen mit einem ganzen Krebs drin. Ich die Suppe, Philipp den Krebs. Passte nicht ganz in seinen Mund, sodass noch ein Scherchen herausguckte und übrig blieb. Was soll ich sagen, man kann mir mittlerweile nahezu alles vorsetzen, ich werde es probieren, was nicht heißt, dass es mir schmeckt, aber ich muss auch zugeben, dass ein Grossteil reine Gewöhnungssache ist. Das Frühstück am allerersten Morgen im Hotel bestand aus gebratenen Bananen, Rührei, Bohnenpampe und Pan francaise – weißpappe, tipico eben. Und es war eine echte Herausforderung für mich und ich habe mich gefragt, wie ich das jemals schaffen soll. Gibt es heute dieses Frühstück, denk ich mir: Ein perfekter Start in den Tag. Soviel zum Essen =)
Ansonsten habe ich irgendwie zu viel Arbeit, merke ich muss das reduzieren, mir zum mindest die Wochenenden freischaufeln um ein bisschen mehr Zeit für mich und die Dinge zu haben, die ich einfach nur für mich machen will. Ist ein bisschen blöd, Samstagsmorgens liegt eigentlich der Ballettunterricht, aber das ist jetzt meine Aufgabe, diesen zu verschieben, das wird nicht angenehm, will ja eigentlich keinem auf die Füße treten, aber es muss sein. Ansonsten läuft das mit dem Ballett noch nicht ganz so wie ich es mir vorstelle. Der ursprüngliche Plan war, alle zwei Wochen nach San Salvador zu einer Tänzerin zu fahren und ich unterrichte dann in der Zwischenzeit, was die gute Frau uns beigebracht hat.


Ich mach das jetzt schon vier Wochen und wir waren noch nicht einmal bei der guten Frau, auch wenn die Mädels einmal hingefahren sind. Ich habe mich geweigert, weil der andere Typ mit dem ich das zusammen mache, versucht hat, 20 Mädels in einen Pickup zu stopfen. 10 in den Innenraum, wo Platz für fünf ist und 10 auf die Ladefläche. Ich habe dann entschieden zuhause zu bleiben, weil es in meinen Augen einfach zu gefährlich war. Ohne mich konnten wenigstens alle vernünftig auf der Ladefläche sitzen und nicht auf dem Geländer. Dazu muss man wissen, dass es bis San Salvador 1,5 Stunden mehr oder weniger Autobahn sind. Ende vom Lied war allerdings auch, dass die Lehrerin am Ende doch keine Zeit hatte und die Mädels sich umsonst fast zu Tode gequetscht haben.



Ansonsten waren wir noch auf dem zweiten Teil des Kulturaustausches in der Hauptstadt, wo das wunderprächtige Foto vom Anfang entstanden ist. Nächste Woche veranstalte ich dann den 4,5 Stunden Workshop zum Thema HIV – AIDS. Ach ja, da fällt mir noch was ein. Ich hab vor ungefähr drei Wochen eine kleine Präsentation zum selben Thema vor etwa 20 mehr oder weniger Erwachsenen gehalten. Am Ende habe ich dann gefragt, ob sie wissen möchten, wie man korrekt ein Kondom benutzt und wollte es ihnen zeigen, hatte auch einen riesen Karton zum verschenken dabei, aber sie wollten es einfach nicht wissen. Alicia, meine Cheffin hats dann noch mal mit einem etwas adäquateren Spanisch versucht, aber nichts zu machen. Ich war ganz schön sprachlos. Auch stellte sich raus, dass sie nichts von dem was wir ihnen erzählt haben, behalten haben, denn sie konnten keine einzige Frage beantworten, obwohl wir die Antworten ein paar Minuten vorher auf dem Silbertablett präsentiert haben. Alter Schwede, das hat mich ganz schön nachdenklich gestimmt. Aber ich habe die Hoffnung, dass es nächste Woche schon ein bisschen anders aussieht, lassen wir uns überraschen…. Und da kommt keiner am Kondomabwickeln vorbei, alle müssen ran =)
Was gibt’s noch, ach ja Weihnachtsdekoration, ich lass das mal unkommentiert, aber diese Fotos sind im Oktober in einem Einkaufszentrum in San Salvador entstanden, in diesem Sinne eine frohe Adventszeit.


Wo wir gerade bei Weihnachtsbäumen sind. Ich habe mir den vergangenen Samstagvormittag freigeschaufelt, weil Philipp und ich ne runde einkaufen gehen wollten. Bevor wir uns aber ins chaotische Markttreiben von Usulutan stürzen konnten, haben wir noch kurz einen Abstecher nach Jiquilisco gemacht, wo bei der Post ein Paket darauf wartete von Philipp abgeholt zu werden. Nun ja, wir viel zu früh, erst mal ausgiebig frühstücken. Dann zur Post. Der Postbeamte holt unter dem Tresen ein etwa ein Meter langes Paket hervor, offensichtlich gehörte der Karton mal einem Plastikweihnachtsbaum. Ich muss grinsen. Nachdem alle Formalitäten geklärt sind, stellen wir fest, das Paket passt nicht in den Rucksack, also auspacken und den Inhalt mitnehmen. Wir suchen uns ein ruhiges Plätzchen im Stadtpark von Jiquilisco und Philipp packt sein Paket - übrigens von seinen Großeltern - aus. Ja was soll ich sagen, nicht immer das was draufsteht ist auch drin... aber in diesem Fall schon. Philipp ist stolzer Besitzer eines Plastikweihnachtsbaumes zum zusammenstecken, ein bisschen größer als ein Meter und wenn man die Nadeln zurechtzupft macht er schon was her =)
Ich kann nur sehr schwer beschreiben, was der Erkenntnis, dass es sich um die Originalverpackung handelt - was Philipp und ich vorher, aufgrund absoluter Absurdität nicht mal annähernd in Betracht gezogen hätten - folgte, aber wer meine Lachanfälle kennt, weiß Bescheid. Nun ja, was tun, hierlassen, nein das geht nicht, also ausgepackt in den Rucksack stopfen und mitnehmen. Passte nicht ganz, weshalb die Baumspitze den ganzen Tag aus seinem Rucksack guckte, übrigens im Geschäft um die Ecke gabs Plastikbäume für 5 Dollar.



Philipps Baum fehlt noch die Deko, aber sonst absolut Konkurrenzfähig.


So, ihr Lieben, Mitte Dezember gibt’s wieder Neues aus El Salvador.
Ich drücke euch feste und hoffe, es geht euch gut und schick euch ein paar Sonnenstrahlen in den grauen November.
Bis bald.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Vom Balletttanzen und Visumsschnitzeljagden

Que triste se oye la lluvia en las casas de carton…. Wie traurig hört man den Regen in den Häusern aus Pappe. Das ist der Anfang eines Liedes, das hier oft gesungen wird und genau das geht mir auch gerade durch den Kopf, denn seit heute Mittag regnet es ununterbrochen und so wies aussieht wird es wohl so schnell nicht aufhören. Im Moment steht das Wasser noch nur auf den Straßen und der Weg zum Abendessen vorhin war noch fast ohne nasse Füße zu bewältigen, aber wenns die ganze Nacht so weiterregnet, und danach sieht es aus, dann wird sich wohl auch das Wasser irgendwann heute Nacht seinen Weg in mein Zimmer bahnen. Nun ja, die letzten zwei, drei Wochen des Winters stehen vor der Türe und wenn wir die überstanden haben, dann sinkt auch die Überschwemmungsgefahr und es wird ab Mitte November bis Ende April dann nicht mehr regnen. Im Moment freuen sich Alle auf den Sommeranfang, der durch den ausbleibenden Regen gekennzeichnet ist, aber ich hab mir sagen lassen, dass sich gegen Ende des Sommers, also im April, Mai, alle auf den ersten Regen freuen, der dann auch den Winteranfang bedeutet, Frühling und Herbst gibt es hier praktisch nicht.

Draußen regnets, und auch wenn wir so eine Art überdachte Terrasse haben, macht das Sitzen dort keinen Spaß, weil die Mücken auch vor Jeanshosen und Regenjacken keinen Halt machen und mich auffressen wollen. Also hab ich mich in mein Bett unter mein Mückennetz verkrochen und versuche die nächste Rundmail auf den Weg zu bringen.

Zu allererst mal: Mir gehts gut. So langsam kann ich mich über zu wenig Arbeit nicht mehr beklagen, gestern hätte man sogar fast von Stress sprechen können, wurde ja auch Zeit, denn eigentlich kann ich ja auch gar nicht ohne…

Nein, mal im Ernst. Gestern haben wir unseren ersten Mülltrennungsworkshop mit Kindern einer sechsten Klasse veranstaltet. Ich muss zugeben, ich hatte doch ein bisschen Bammel, wenn man so als Sprachinvalide, und das sind wir nach wie vor, vor 25 Kindern steht und denen was beibringen möchte, hofft man doch sehr, dass die Kinder es gut mit einem meinen. War aber kein Problem und ich würde sogar sagen, dass es für den Anfang ganz gut war.

Werden noch ein bisschen was an der Präsentation ändern und dann nächste Woche zur nächsten Schule ziehen. Das Hauptproblem beim Thema Mülltrennung ist, dass der Großteil der Leute überhaupt kein Bewusstsein dafür hat, was mit dem Müll, der einfach achtlos in die Gegend geworfen wird, eigentlich passiert. Wir bringen den Kindern bei, dass sie den Müll in soliden und organischen Müll trennen sollen. Den organischen Müll können die Familien selbst auf einem Komposthafen zu Dünger verarbeiten und gerade läuft ein Pilotprojekt an, dass auch der solide Müll abgeholt und recycelt wird, aber dafür muss er zuvor getrennt werden.

Ein besonderes Problem, das der Müll vor allem hier in der Zone verursacht, ist, dass er die Wasserabflussgräben verstopft und das sowieso schon Überschwemmungsgefährdete Gebiet noch anfälliger macht…

Dann werde ich am Ende des Monats meine erste Fortbildungsveranstaltung für die Gesundheitspromotorinnen halten in der es um die Handhabung von Antibiotika gehen soll, denn auch das ist ein Problem, auf das ich schon ziemlich zu Beginn meiner Arbeit gestoßen bin. Die Promotorinnen wissen zwar so in etwa, was man bei der Einnahme von Antibiotika beachten muss, also zum Beispiel dass man die Packung trotz einer subjektiven Besserung zu ende nimmt, geben dieses Wissen aber nicht an die Leute weiter. Überhaupt geben die Promotorinnen meines Erachtens viel zu oft Antibiotika an die Patienten raus, ohne zu prüfen, ob wirklich eine Notwendigkeit besteht. Ich möchte den Frauen aber auch keinen Vorwurf machen, denn sie haben keine richtige medizinische Ausbildung und machen ihren Job so gut sie können. Ein anderes großes Problem ist auch die Verfütterung von Antibiotika an die Hühner. Die Leute kommen in die Klinik und kaufen zwei Tabletten Amoxicillin für ihre Hühner. Dazu müsst ihr noch wissen, dass Amoxicillin der einzige antibiotische Wirkstoff ist, der hier zur Verfügung steht, weil er einerseits billig ist, und andererseits ein relativ großes Erregerspektrum abdeckt, umso gefährlicher ist aber auch eine eventuelle Resistenzbildung, die durch dir Verfütterung von Amoxicillin an die Hühner, die die Menschen irgendwann später essen, sehr begünstigt wird. Allerdings weiß ich an diesem Punkt nicht so genau, wie vehement oder nicht ich meinen Standpunkt da vertreten soll, denn ich gehe davon aus, dass die meisten eher eine Resistenzbildung…. eine noch dazu recht abstrakte Sache… in Kauf nehmen würden, als zuzusehen wie ihre Hühner sterben, was man angesichts der herrschenden Armut ja auch irgendwie nachvollziehen kann. Ich habe mir überlegt, das Thema anzusprechen und zur Diskussion zu stellen, ohne ein Verhalten vorzuschreiben und ich bin gespannt, was dabei rauskommt.

Dann habe ich letzte Woche erfahren, dass ich Mitte November eine Capacitación, so was wie ein Workshop, zum Thema Aids und sexuell übertragbare Krankheiten mit Jugendlichen veranstalten soll. Das ist auf jeden Fall ein großer Berg Arbeit, denn viereinhalb Stunden wollen vorbereitet werden, aber auch wenn ich ganz schön Schiss hab, freu ich mich drauf.

Ansonsten mache ich nach wie vor Musik, gebe Klarinettenunterricht und so wies aussieht bald wohl auch… jetzt haltet euch fest: Ballettunterricht. Fragt besser nicht, ich bin da so reingerutscht, die Meisten von euch werdens nicht wissen, hab das auch bisher immer schön geheim gehalten, aber ich hab das vor langer Zeit schon mal gemacht… hihi, am Samstag fahren wir mit fünfzehn Mädels in die Hauptstadt zur ersten Ballettstunde mit einer professionellen Tänzerin, die wir alle zwei Wochen besuchen werden. Die übrige Zeit soll ich dann überbrücken… na ja wir werden sehen =)

Mit der Musikgruppe waren wir vergangenes Wochenende für drei Tage auf einem sagen wir Austausch in einem anderen Landesteil, bei dem wir mit etwa 150 Jugendlichen in den Bergen zwei Nächte gezeltet haben, alter Schwede sag ich euch, war das kalt da. Ich wusste nur so ungefähr, was mich erwartet und ich hatte auch gehört, dass es kälter werden könnte, aber nach zwei Monaten mit Tiefsttemperaturen um die 25 Grad, kommt man bei 15° doch schon so langsam ans Zittern, vor allem wenn man keinen Schlafsack hat, sondern nur drei Pullis, in die man sich in guter alter Zwiebelschalentechnik geworfen hat. Mal abgesehen von der nächtlichen Kälte, war es aber ein super Wochenende, die Landschaft einfach unglaublich und super viele nette Leute und ein gutes Programm.

Am ersten Abend und am nächsten Morgen ging es um die (Menschen) Rechte von Jugendlichen, am zweiten Abend dann um die Kultur. Was ist eigentlich Kultur, was macht Kultur aus, was macht die Salvadoreanische Kultur aus? Und genau die letzte Frage beinhaltet ein großes Problem.

In unserer kleinen Arbeitsgruppe sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Kultur eigentlich das Resultat der Geschichte eines Landes ist. Das Problem ist aber, dass viele Jugendliche hier über ihre Geschichte, die Geschichte ihrer Eltern und die Geschichte ihres Landen so gut wie gar nicht Bescheid wissen, was daran liegt, dass man als Kind ja eigentlich nur zwei Möglichkeiten hat, etwas über Geschichte und Kultur zu erfahren und das ist einmal das Zuhause und zum anderen die Schule. Viele Eltern sprechen mit Ihren Kindern nicht über die Vergangenheit, weil sie vom Krieg stark traumatisiert sind und sich mit Hilfe des Fernsehens in eine Friede-Freude-Eierkuchenwelt flüchten, die hilft, die erlittenen Schmerzen zu verdrängen. Hinzukommt, dass es fast keinerlei Aufarbeitungsmöglichkeiten oder Angebote gibt. In der Schule ist der Geschichtsunterricht Teil eines Faches und beschränkt sich mehr oder weniger auf die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus. Kriegsgeschichte und Kultur werden einfach nicht unterrichtet. Na ja ist ja auch eigentlich ganz praktisch, denn so wird vermieden, dass Kinder lernen, die Dinge kritisch zu hinterfragen, und Sachen die man selbst mitverbockt hat muss man den Kindern ja auch nicht unter die Nase reiben.

Beteiligen sich Kinder an Kulturprojekten, sei es nun eine Tanzgruppe, eine Musikgruppe, eine Theatergruppe oder was auch immer, werden Fähigkeiten wie Kreativität, Teamgeist, kritisches Denken und Leistungsbereitschaft gefördert und das auf spielerischem Wege, der Spaß macht. Seit kurzem gibt es hier so etwas wie einen Kulturbeauftragten, der für die Organisation eben solcher Projekte zuständig ist, der Austausch am Wochenende und die Ballettgruppe sind der Anfang, wobei aber natürlich auch schon die ein oder andere Gruppe besteht. Am letzten Tag des Festivals konnten dann alle Gruppen ihre Arbeit praesentieren, mit dabei waren verschiedene Musik-, Tanz- und Theatergruppen.

Ja, was ist noch passiert? Letzte Woche waren wir in der Hauptstadt unterwegs, weil wir unsere Aufenthaltserlaubnis verlängern und ein Visum beantragen mussten… das war ein kleines Abenteuer, das ich euch nicht vorenthalten möchte =)

Nach einer verregneten Hinfahrt auf der Ladefläche eines Pickups unter ner großen Plastikplane, hat sich meine Regenjacke zum ersten Mal so richtig bewährt. Ja angekommen, und mit Ulf getroffen. Ulf ist ein Deutscher der für drei Jahre in El Salvador arbeitet und ein wandelndes Lexikon was Mittelamerika betrifft. Er hat uns den ganzen Abend Geschichten von einzelnen Leuten aus El Salvador erzählt, dazu gabs Kartoffelsuppe, sehr gut mal was annähernd deutsches nach längerer zeit. Getoppt wurde das am nächsten Morgen noch von Brot - Weißpappe - mit Butter und deutscher Marmelade, die gute Göbber vom Lande... kann man hier für 3,50 Dollar kaufen....worüber man sich pötzlich freut.... aber die Fabrikmarmelade hier kann man einfach nicht essen, viel zu süß...
Danach dann zur Rechtsanwältin und zur Übersetzerin. Hat soweit alles geklappt, bis die Rechtsanwältin meinte, dass unser Gesundheitszeugnis nicht gültig ist, weil ein privater Arzt das ausgestellt hat und nicht ein Arzt der für das Gesundheitsministerium arbeitet. Ja. Ein Problem. Gloria, unsere Ansprechpartnerin hier und die Frau, die mit uns die ganzen Formalitäten regelt, kannte aber eine Ärztin flüchtig die fürs Ministerium arbeitet… also wir wieder quer durch die Stadt zu dieser Ärztin. Philipp hatte zufällig seine Untersuchungsergebnisse dabei, ich nicht, also ein neues Zeugnis für Philipp, für mich nicht... erst mal, am Ende dann doch, bin ja Medizinstudentin....
Dann zur Migration. So ein Spaß, mittlerweile wars eins oder so, tja und jetzt der Witz an der ganzen Sache: nee, das Gesundheitszeugnis können wir nicht anerkennen.... weil: Bei der Krankenhausverwaltung hat man mich nach dem Mädchennamen meiner Mutter gefragt. Ja, Lemmen sag ich. Alles klar, müssen ja in den Akten geführt werden. Am Ende hat man mich dann mit vollem Namen Ulrike Schraml Lemmen getauft. Ist hier so, Alle haben zwei Vor- und zwei Nachnamen. So stands dann auch im Zeugnis.... =) Dann haben wir der guten Frau von dem anderen erzählt, ja sagt sie, sie wolle das mal sehen, lag schon zerknüddelt müllfertig auf dem Rücksitz.... ja sagt sie, ist super, der Arzt ist bei uns registriert, das können wir nehmen =)
Ok, durchatmen. Dann: mein Missionarsausweis, leider fehlt ein a im Namen. Ulrike Schrml. Das können wir nicht anerkennen, aber wenn sie hier in der Gegend jemanden mit Schreibmaschine finden, können sie das ja eben korrigieren. Also wir auf Schreibmaschinensuche, haben dann einen netten Beamten vom Bildungsministerium gefunden, der das dann für einen Dollar gemacht hat. Vorne auf der karte steht jetzt mein Name und hinten vor der Unterschrift des Bischofs noch mal, dass Schraml auch wirklich der richtige Name ist =) ja und damit war alles kein Problem mehr. Unterschrift, Fingerabdrücke, Foto, Größe gewicht, Augenfarbe und zwei Adressen aus Deutschland von Leuten die uns kennen und am nächsten Tag hätten wir unsere Aufenthaltserlaubnis für die nächsten drei Monate abholen können, naja machen wir dann ein anderes Mal. Gloria die uns begleitet hat, hatte leider um drei nen Termin und wir warn aber noch nicht fertig. Sie ist dann gegangen und wir standen einsam und verlassen vorm Migrationsministerium, in dem wir wohlgemerkt die letzten warn, weil die eigentlich um halb vier zumachen.
Wir hatten mit einer, die auch bei uns im Büro arbeitet und die mit dem Auto nach San Salvador gefahren ist, verabredet, dass wir das Auto mit zurücknehmen werden, also haben wir uns mit ihr getroffen. Zu diesem Zweck wollten wir ein Taxi nehmen, haben dann auch eins ausgewählt, was uns als am fahrtauglichsten erschien, doch der gute Mann meinte, er rufe einen Kollegen. ja. der Kollege kam und hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, hätte ich gesagt, dieses Auto kann nicht einen Meter mehr fahren, so ein Schrotthaufen =) aber es fuhr, durch den San Salvadorianischen Verkehrsdschungel zum nächsten Einkaufszentrum, wo wir uns mit Rosy aus dem Büro getroffen haben. Mittlerweile wars fünf und um sechs wirds dunkel, also wir ins Auto, Problem: Philipp hatte keinen Führerschein dabei, also klein Ulli mit dem Pickup von San Salvador nach Nueva Esperanza. Wir hatten seit dem Frühstück nichts mehr gegessen, aber die nahende Dunkelheit ließ uns noch ein bisschen aufs Essen verzichten. Als wir aus der Stadt raus waren hab ich dann erst mal den salvadoreanischen Fahrstil getestet: rechts und auf dem Standstreifen überholen, vorher durch ein hupen ankündigen.... =) hat Spaß gemacht, aber bald wars zu dunkel für solche Spirenzchen. Und das war schon krass, denn es gibt unendlich viele Autos mit Zuckerrübentrekkerbeleuchtung oder auch ganz ohne.
Sind aber sicher angekommen, auf dem Weg haben wir dann noch Pupusas - Teigfladen mit Bohnenpampenkäsefüllung und Krautsalat mit Soße - gekauft und ab nach Hause, nach dem Essen, leider nicht satt, also noch zwei Pan Dulce - Kekse - mit nem Bierchen und dann nur noch todmüde ins Bett =) Alles in Allem eine sehr lustige Aktion. Jeden tag bestätigt sich eigentlich, dass es immer für alles eine Lösung gibt. Ich mein ist ja im allgemeinen so, aber der ein oder andere von euch, weiß, was mit mir passiert, wenn etwas mal nicht so ganz klappt, wie ich mir das vorher vorgestellt habe… nunja, Philipp war tapfer und hat meine schlechte Laune ertragen.

So ihr Lieben, mehr fällt mir grad nicht ein, jetzt habt ihr wieder ein paar Infos über Land und Leute und ein nettes Anekdötchen zum Schluss.

Ich drück euch, machts gut, passt auf euch auf,