Es ist geschafft, am vergangenen Sonntag fanden die Präsidentschaftswahlen statt, auf die wir alle und vor allem das Salvadorianische Volk so lange hingefiebert haben. Nach zwölf Jahren Bürgerkrieg und 20 Jahren rechtskonservativer Pseudodemokratie hat sie die linke FMLN, die nach dem Krieg aus der Guerillaorganisation hervorging, in demokratischen Wahlen gegen die rechtskonservative ARENA Partei durchgesetzt. Es blieb bis zum Schluss spannend, denn ARENA hat in den Wochen vor der Wahl eine massive Angstkampagne gefahren, die die Bevölkerung verunsichern sollte. Im Falle eines Sieges der FMLN sei El Salvador Hugo Chaves und Raul Castro, den linken Führern aus Venezuela und Cuba ausgeliefert, Arbeitsplätze würden verloren gehen und das Land den Anschluss an die Weltwirtschaft verpassen. Dazu muss man wissen, dass nur etwa 45 Prozent der arbeitenden Bevölkerung ihr Geld mit formeller Arbeit verdient, der Rest verdient seinen Lebensunterhalt auf informellem Wege, das heißt zum Beispiel im Straßenverkauf. Von den 45 Prozent die eine formelle Arbeit, also mit regelmäßiger Lohnauszahlung, Krankenversicherung und Weihnachtsgeld haben, kann wiederum nur ein Teil mit nur einem Job auch seine Familie ernähren. Dann wollen sie den Anschluss an die Weltwirtschaft nicht verlieren… El Salvador produziert so gut wie nichts und exportiert entsprechend auch fast nichts, das wichtigste Exportmittel El Salvadors sind seine Arbeitskräfte in die USA, die meisten davon illegal. Nun, so könnte ich weiter schreiben, aber wieder zurück zum eigentlichen Thema.In den Tagen vor der Wahl schien alles wieder offen, das Vorsprungspolster der FMLN von mal sechzehn Prozent war geschrumpft, nachdem sich zwei weitere Parteien aus dem Wahlkampf verabschiedet haben und ihre Stimmen der ARENA zusicherten. Am Sonntagmorgen war also alles offen und beide Kandidaten schritten siegessicher zur Urne.
Philipp und ich haben uns in der letzten Woche eine offizielle Akkreditierung bei der obersten Wahlaufsichtsbehörde besorgt, die sich nach meinem Geschmack übrigens ein bisschen zu gut mit der ARENA verstand…, internationale Beobachtung ist also notwendig.Ausgestattet mit einem internationalen Beobachterausweis und dem begrenzten Recht auf freie Meinungsäußerung bis zum 31. März, machten wir uns Sonntagmorgen zusammen mit unseren Familien auf den Weg nach Jiquilisco.

Jeder Bürger muss in seiner ‚Kreisstadt’ wählen, was im Fall der Menschen aus dem Bajo Lempa das etwa 30km entfernte Jiquilisco ist. Dort ist jeder einer von ca. 70 Urnen zugeteilt und die erste große Aufgabe besteht darin, seine Urne zu finden. Ist einem das gelungen darf man mit seinem Personalausweis einen Wahlzettel beantragen, sein Kreuzchen machen, danach kurz unterschreiben, dass man seinen Ausweis auch wiederbekommen hat, noch kurz den Finger in Sicherheitsfarbe tauchen, die die Fingerspitze für etwa zwei Wochen schwarz färbt, Wahlzettel in die Urne und fertig.
Das Ganze nimmt dann etwa 3-4 Stunden in Anspruch. An jeder Urne sitzen vier Wahlhelfer, von denen nach Möglichkeit zwei ARENA und zwei FMLN Anhänger sind und zwei Vigilantes, Wächter, jeweils einer von jeder Partei. Um fünf Uhr war dann endlich schluss, nachdem der Tag eher schleppend verging wurde es dann endlich spannend. Das Wahllokal, übrigens der Gemeindepark von Jiquilisco wurde geschlossen und alle mussten es verlassen, alle Wahlhelfer, Vigilantes

und internationale Beobachter durften bleiben. Die Stimmauszählung an jeder Urne begann und es war unglaublich still, außer den zählenden Wahlhelfern war nicht viel zu hören. Irgendwann der erste Jubelschrei aus einer Ecke des Parks, gelfolgt von der jubelnden Menge hinter den Zäunen. Immer mehr und mehr und langsam wurde klar, die FMLN hat an allen 70 Urnen in Jiquilisco gewonnen.

Schon bald kam dann die Nachricht, die linke habe 7 von 14 Departamentos gewonnen, 3 verloren und vier seien noch offen. Der Wahlsieg war zum ersten Mal greifbar nah. Dann irgendwann nach Hause vor den Fernseher und um halb zehn schritt der Kandidat der FMLN, Mauricio Funes vor die Kamera und erklärte sich zum Wahlsieger, nachdem etwa 90% der Stimmen ausgezählt waren und die übrigen 10% die drei Prozentpunkte Unterschied zwischen Funes und Avila der ARENA nicht mehr ausreichten um den Vorsprung noch aufzuholen.
Ich kann nur schwer in Worte fassen, was das für die Menschen hier im Bajo Lempa und im ganzen Land bedeutet, aber sie haben wieder Hoffnung und diesmal ist es der ARENA nicht mehr gelungen diese Hoffnung durch massive Angstmache zu zerstören, ein großes Ereignis in der Geschichte dieses so kleinen Landes. Erst um elf trat der Gegenkandidat Avila, übrigens früherer Polizeichef El Salvadors, vor die Kameras und erkannte seine Niederlage an. Seiner Partei kommt zum ersten Mal die Rolle der Oppositionsführung zu, lange Gesichter beim singen der Parteihymne. Aktuelles Ergebnis nach Auswertung von 99,38% der Stimmen: ARENA: 48,70%, FMLN: 51,30%. Offizielle Regierungsübergabe ist am ersten Juni. Von internationaler Seite ist die Wahl als Fair bezeichnet worden, aber ein Freund aus San Salvador rief mich Sonntagmorgen an um mir zu erzählen, dass sie in der Nacht in seiner Nachbarschaft einen Raum voller Nicaraguer entdeckt haben, ausgestattet mit Salvadorianischen Personalausweisen. Das kommt davon wenn man die Behörde, die die Personalausweise ausstellt privatisiert und der Vorsitzende der nationalen Wahlaufsichtsbehörde bekennendes ARENA Mitglied ist.
Was ist noch passiert. Meine beiden Freundinnen Imke und Vera aus Münster und Köln waren da, haben mich besucht und wir sind zwei Wochen durchs Land gereist und haben noch einen kleinen Abstecher nach Guatemala gemacht. Eine Woche bevor es auf Reise ging fand die zweite Caminata por la vida statt, der Lauf fürs Leben, wovon ich euch schon in meiner letzen Rundmail erzählt hatte.
Bei 40° in der Sonne über die Landstraße und Autobahn sind etwa 150 Menschen aus dem Bajo Lempa innerhalb von vier Tagen in die Hauptstadt gelaufen um dort ihr Recht auf ein würdigeres Leben einzufordern. Am Abend des vierten Tages kamen sie in San Salvador an um am nächsten Morgen ihren Weg zur Präsidentschaftsresidenz fortzusetzen und dort einen Brief zu hinterlassen. Auf diesem Weg wurden sie von etwa 3000 Menschen begleitet, die aus dem Bajo Lempa und anderen Regionen des Landes anreisten, wurden aber auf halber Strecke von einer Polizeisperre aufgehalten. Auch die nationale, von der Regierung kontrollierte Presse hielt sich mit ihrer Berichterstattung zurück, sodass lediglich auf einem Fernsehkanal und in einer mehr oder weniger unabhängigen Zeitung von der Caminata berichtet wurde, was dem Ereignis einfach nicht gerecht wurde.
Nach der Caminata, während der Philipp, Imke und ich etwa 800km mit dem Auto zurückgelegt haben um Mahlzeiten zu organisieren und zu liefern gings dann in den Urlaub.
Wir waren in Suchitoto, ein kleines Städtchen am Ufer eines Sees im Norden, indem der ursprüngliche Kolonialstil des Landes noch erhalten ist.

Von da aus weiter nach Santa Ana, eigentlich eine gewöhnliche Stadt aber mit einer wunderschönen teils im gotischen Stil erbauten Kathedrale. Von dort nach Guatemala, noch mal nach Antigua

und auf den Pacaya und drei Tage später wieder zurück, diesmal an den Lago Coatepeque, ein Kratersee, an dem ich ganz zu beginn meines Jahres schon einmal mit Christian, unserem Vorgänger war. Vom See aus ein Tagesausflug nach Chalchuapa, Tazumal, wo es eine Ausgrabung eines Mayatempels zu sehen gibt.
Dann aus dem Westen einmal quer durchs Land in den Nordosten nach Morazan. Morazan und Chalatenango sind die im Bürgerkrieg am meisten umkämpften Departamentos. Die Mehrheit der Menschen im Bajo Lempa kommt ursprünglich aus diesen Gebieten und wurde nach dem Krieg, den sie in Flüchtlingslagern in Honduras und Nicaragua verbrachte im Bajo Lempa angesiedelt.
In Morazan haben wir uns mit unseren Freunden aus San Salvador getroffen und die Nacht am Fluss Torola verbracht,

bevor es dann am nächsten Tag nach Perquin ins Museum der ehemaligen Guerillabewegung ging. Von Perquin aus dann weiter an den Strand, zwei Tage Strand und weiter nach San Salvador. Einen Abend mit Imkes Kartofelpüree bei unseren Freunden, ein trauriger Abschied, eine Nacht im Hotel und am nächsten morgen zum Flughafen. Eine Reise im Zeitraffer, aber ich glaube die Fotos können noch mehr erzählen.
So meine Lieben, ihr seid auf dem neuesten Stand, ich werde mein Recht auf freie Meinungsäußerung, das ich noch bis zum 31. März habe, nutzen und den Text erstmal im Blog veröffentlichen.


wir hatten schon viel gehört, wie schön es dort sein soll, umso größer war die Enttäuschung. Der Marktplatz und die Kathedrale, sowie ein Sträßchen runter zum See, wunderschön gemacht, aber schaut man eine Straße weiter erkennt man die Theaterkulisse, die Granada für seine Touristen errichtet hat. Die gleiche Armut, der gleiche Dreck, wir fühlten uns verarscht und statt zwei Tage zu bleiben, haben wir uns am nächsten Tag auf den Weg in das wesentlich ehrlichere Masaya begeben, wo wir den Tag auf dem größten Kunsthandwerksmarkt des Landes verbracht haben und diesen schönen Baum entdeckten.
Von Masaya weiter an die Pazifikküste nach San Juan del Sur, wo wir eigentlich auch Sylvester feiern wollten.
Nach einem Tag am Strand und zwei Übernachtungen und einem wunderschönen Sonnenuntergang
haben wir auch dort die Flucht ergriffen, denn wenn man plötzlich mehr Englisch als Spanisch hört und um sich herum nur betrunkene Amis, na ja, das war einfach nicht das, was wir wollten, also den Reiseplan noch mal umgeschmissen, wir waren einfach reif für die Insel. Dazu muss man wissen, Nicaragua hat einen riesigen See, der fast so groß ist wie ganz El Salvador in dessen Mitte sich eine Insel, bestehend aus zwei Vulkanen befindet: La Isla de Ometepe. Ometepe ist Nahuatl und bedeutet soviel wie ‚zwei Hügel’, oder zwei Vulkane und wenn man dieses Foto sieht, weiß man warum =) 
Am nächsten Tag kamen wir in unserer Abenteuerlust auf die wahnwitzige Idee, einen der beiden Inselvulkane, den Maderas, zu besteigen, klar, warum auch nicht, sind ja nur 6 km und 1300 Höhenmeter eine Strecke und in 3-4 Stunden soll man oben sein, die Norweger, die wir abends zuvor getroffen haben, haben es in 3 stunden geschafft, also so schlimm kanns ja nicht sein… dachten wir. Ich Hampelfrau hab ja Wanderschuhe mitgenommen… nach El Salvador, da stehen sie auch immer noch gut unter meinem Bett. Na gut, dann eben mit Chucks.
und durch die Wolken da hoch zu kraxeln, während über einem die Affen durch die Bäume turnen und bunte Vögel durch die Luft fliegen, es war verdammt hart, aber man fühlt sich so unglaublich gut, wenn man dann endlich nach 3,5 Stunden oben angekommen ist, das Problem ist das Wissen, dass man auch wieder runter muss. Nun gut, zunächst denkt man, runter müsste ja eigentlich schneller gehen als hoch, aber weit gefehlt, es hat noch mal 3,5 Stunden gedauert und der Muskelkater die drei folgenden Tage war das Geschenk, genau so, wie die tollen Fotos die wir machen konnten,
da ist man am Ende schon wieder ein bisschen versöhnlicher. Noch ein Wort zu meinen Schuhen, die übrigens ein Geburtstagsgeschenk einer guten Freundin aus Düsseldorf waren und die sich immer beschwert hat, dass sie noch nicht dreckig genug seien, jetzt sind sies, aber eine Guatemaltekische Waschmaschine konnte zum mindest den groben Dreck entfernen. 
Der Pacaya ist einer der zwei noch aktiven Vulkane in der Region um Guatemala City und beim hochsteigen konnten wir schon glühende Gesteinsbrocken vom Gipfel fallen sehn. Während es in den unteren zwei Dritteln ziemlich kühl war, blies weiter oben eine warme Brise zwischen den Steinen hervor. Auf dem Gipfel angekommen, konnten wir beobachten, wie die glühende Lava als dicke, rot-gelb-orange Suppe aus dem Berg quoll und sich langsam den Weg nach unten suchte. Dazu am Horizont ein wunderbar unperfekter Sonnenuntergang mit ein paar Wolken dazwischen und während die Sonne auf der einen Seite unterging, tauchte der Vollmond auf der anderen Seite hinter den Bergen auf. Diese Beschreibung ist so absolut unvollständig, weil sie viel zu sachlich beschreibt, was da passiert ist, ich kanns nicht besser, aber es war ein unglaubliches Gefühl. Dann beim Abstieg, kommen wir plötzlich um eine Ecke und vor uns tauchten die Lichter von Guatemala City im Tal auf.


Der Dezember ist wie im Flug vergangen und so ist morgen wohl Heiligabend. Ich kanns mir kaum vorstellen, Sonne, Palmen und Kokosnüsse machen es mir schwer und so bleibt die Weihnachtsstimmung wohl einfach aus. Dafür bin ich ein bisschen dankbar, da wär man dann doch mal gerne kurz drei oder vier Tage Zuhause.

Mabel ist nur ein paar Monate älter als ich, was sich schon ein wenig seltsam anfühlt, denn ich bin einfach eine absolute Haushaltsinvalidin, wenn es um den salvadoreanischen Haushalt geht und für absolut nichts zu gebrauchen, aber Mabel hat Nachsicht und hat mich als Azubi eingestellt. Und so lerne ich jetzt Feuer machen, Mais und Bohnen auf dem Feuer zu kochen, Mais zu mahlen, Tortillateig zu machen, Tortillas zu machen…. Das sag ich euch, es sieht so einfach aus, aber es ist eine Wissenschaft für sich. Tortillas sind CD große Teigfladen, die es einfach zu jeder Mahlzeit gibt, und bestehen aus gekochtem und dann gemahlenem Mais, also quasi aus Mais und Wasser, wobei man dem Teig kein Wasser mehr zufügen muss. Der gekochte Mais wird einfach gemahlen und dann geknetet. Bis dahin soweit so gut, aber dann: Man mache aus einem Teighaufen eine CD große Tortilla, erst ein bisschen platt drücken, dabei immer schön zwischen den Fingern drehen, soll ra rund werden und kein Ei, dann die linke Hand anfeuchten, aber nicht zu viel, sonst werden es Schuhsohlen, dann Fladen in die linke Hand und mit der rechten leicht plattklopfen und dabei im Kreis drehen, ohne dass der Teig einreißt. Na, alles klar? Bei mir so wenig wie bei euch. Wo wir schon grade beim Essen sind, so viele von euch haben mich gefragt, was es eigentlich so zu essen gibt und das könnte ich an dieser Stelle ja mal kurz beantworten. Also Hauptnahrungsmittel sind: Mais in allen Variationen, das heißt als Tortilla, als gekochter Kolben, als Tamales, irgendwie auch Maisteig, aber noch hab ich keinen Plan wies funktioniert, als Fresco – so was wie Limonade oder auch als atol – dickflüssiges Maismehlgetränk mit Klümpchen und relativ salzig, nicht so mein Favorit ist ganz furchtbar mächtig, gibt’s aber auch aus Cashewkernen und das schmeckt dann schon wieder ganz anders. Ja, der Mais, dicht gefolgt von Reis und roten Bohnen, Bohnen mal als Pampe, mal als Suppe, vereint mit Reis dann auch Hochzeit – Casamiento genannt. Dann Eier: Spiegelei, Rührei mit oder ohne Gemüse, hartgekochtes Ei, Omelette… und wie einige von euch vielleicht wissen, hab ich vorher keine Eier gegessen… Wenn ich heute nach Hause komme und so n leckeres Spiegelei auf meinem Teller finde, freu ich mich schon drüber.
Ich mach das jetzt schon vier Wochen und wir waren noch nicht einmal bei der guten Frau, auch wenn die Mädels einmal hingefahren sind. Ich habe mich geweigert, weil der andere Typ mit dem ich das zusammen mache, versucht hat, 20 Mädels in einen Pickup zu stopfen. 10 in den Innenraum, wo Platz für fünf ist und 10 auf die Ladefläche. Ich habe dann entschieden zuhause zu bleiben, weil es in meinen Augen einfach zu gefährlich war. Ohne mich konnten wenigstens alle vernünftig auf der Ladefläche sitzen und nicht auf dem Geländer. Dazu muss man wissen, dass es bis San Salvador 1,5 Stunden mehr oder weniger Autobahn sind. Ende vom Lied war allerdings auch, dass die Lehrerin am Ende doch keine Zeit hatte und die Mädels sich umsonst fast zu Tode gequetscht haben. 

